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Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit, Firmensterben, Druck für mehr Klimaschutz, Streit um Steuerentlastung, Cyberangriff auf deutsche Verwaltung
in der Kalenderwoche 34, 2026
kuratiert von Luca-Janna Vagt

Jeden Donnerstag liefern wir mit den Wirtschaftsperspektiven einen Überblick über die wichtigsten wirtschaftlichen Themen der Woche.

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AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Gegensätzliche Wirtschaftsdaten: Der Volksbanken-Verband hebt die deutsche Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf ein Prozent an, während die landesweite Erwerbstätigenzahl parallel auf 45,7 Millionen Menschen sinkt. Das Bruttoinlandsprodukt ist trotz klimatischer Belastungen und geopolitischer Krisen das dritte Quartal in Folge gewachsen. Im Frühjahr verzeichnete die amtliche Statistik jedoch branchenübergreifend 212.000 Beschäftigte weniger als noch im Vorjahreszeitraum. Das exportabhängige produzierende Gewerbe leidet massiv unter US-Zöllen sowie chinesischer Konkurrenz und meldet einen drastischen Stellenrückgang. tagesschau.de, zeit.de

Historisches Firmensterben: Fast 190.000 deutsche Betriebe haben im vergangenen Jahr den Markt verlassen, was dem höchsten Stand an Unternehmensschließungen seit dem Jahr 2007 entspricht. Das Mannheimer Forschungsinstitut ZEW und die Auskunftei Creditreform beziffern den rapiden Anstieg auf knapp zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bemerkenswerterweise gehen lediglich 13 Prozent dieser Betriebsbeendigungen auf ein offizielles Insolvenzverfahren zurück. Nahezu ein Drittel der meist geräuschlosen Schließungen resultiert mittlerweile aus fehlenden Nachfolgeregelungen beim altersbedingten Rückzug der Inhaber. tagesspiegel.de

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Klimaschutz trifft Kostendruck: Das Ifo-Institut verknüpft künftige Klimainvestitionen der deutschen Industrie mit festen CO2-Preisen ab 90 Euro, während ExxonMobil die Europäische Union wegen teurer Speicher-Vorgaben verklagen will. Einer aktuellen Studie zufolge verhindern starke Preisschwankungen bei Emissionszertifikaten die zeitnahe Umsetzung umweltfreundlicher Anlagenprojekte in den Unternehmen. Gleichzeitig kämpft der US-Energiekonzern rechtlich gegen den europäischen Net-Zero Industry Act an. Das Gesetz verpflichtet Öl- und Gasförderer zu Investitionen in die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid, was laut ExxonMobil die Betriebskosten drastisch in die Höhe treibt. handelsblatt.com, taz.de

Baubranche atmet auf: Die Bauämter in Deutschland haben im ersten Halbjahr dieses Jahres fast 130.000 neue Wohnungen genehmigt und damit den stärksten prozentualen Zuwachs seit acht Jahren registriert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem kräftigen Anstieg von rund 15 Prozent. Insbesondere Zweifamilienhäuser verzeichnen mit einem Plus von 27 Prozent einen klaren Aufwärtstrend in den amtlichen Statistiken. Etwa vier von fünf bewilligten Wohnprojekten entfallen dabei auf klassische Neubauten, Umbauten spielen nur eine stark untergeordnete Rolle. zeit.de

Streit um Steuerentlastung: Finanzminister Lars Klingbeil verteidigt das zehn Milliarden Euro schwere Steuerreform-Paket der Regierung zur Entlastung kleiner Einkommen gegen massive Kritik aus der Union. Unionspolitiker bemängeln, dass der aktuelle Gesetzentwurf die negativen Effekte der kalten Progression nicht ausreichend ausgleiche. Der SPD-Vorsitzende weist dies mit Verweis auf die stark angespannte Haushaltslage des Bundes strikt zurück. Familien mit zwei Kindern profitieren nach Berechnungen des Finanzministeriums künftig von jährlichen steuerlichen Entlastungen in Höhe von rund 600 Euro. zeit.de

Ernteausfälle belasten Landwirte: Der Deutsche Bauernverband meldet für das aktuelle Jahr eine witterungsbedingte Getreideernte von lediglich 41,9 Millionen Tonnen und fordert umgehend ein staatliches Sofortprogramm. Ein extrem trockenes Frühjahr sowie eine Hitzewelle Ende Juni haben die bundesweiten Erträge um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr einbrechen lassen. Niedrige Erzeugerpreise und hohe Betriebskosten für Diesel, Dünger sowie Pflanzenschutzmittel verschärfen die finanzielle Notlage der landwirtschaftlichen Betriebe massiv. handelsblatt.com

Bildung als Renten-Fundament: Der WZB-Ökonom Florian von Muschwitz fordert tiefgreifende staatliche Investitionen in das Bildungssystem zur langfristigen Absicherung der schrumpfenden deutschen Rentenbeitragsbasis. Eine sinkende Zahl an künftigen Erwerbstätigen lässt sich laut dem Experten durch gezielte Produktivitätssteigerungen finanziell abfedern. Wenn die verbleibenden Arbeitnehmer aufgrund besserer Qualifikationen höhere Löhne erzielen, fließen dem Rentensystem automatisch mehr Beitragsgelder zu. table.media/berlin

DIGITALISIERUNG

Cyber-Angriff legt Verwaltung lahm: Ein massiver Hackerangriff hat zwei Berliner Senatsverwaltungen aus Sicherheitsgründen vom Landesnetz getrennt und die Hauptstadt-Behörden für Bauen sowie Verkehr arbeitsunfähig gemacht. Die Mitarbeiter haben derzeit keinerlei Internetverbindung und können weder E-Mails abrufen noch ihre Aufgaben im Homeoffice erledigen. IT-Fachleute kritisieren die unzureichende Cybersicherheit der Stadt sowie die mangelhafte Krisenkommunikation des Notfallkrisenstabs. faz.de

Gegenwind für Behörden-Digitalisierung: Vier kommunale Software-Anbieter wehren sich vehement gegen die geplante Vereinheitlichung der bundesweiten IT-Systeme in den 100 eigenverantwortlichen Jobcentern. Die Unternehmen lehnen einen Zwang zur Aufgabe ihrer bewährten Digitallösungen strikt ab, da lokale Behörden weiterhin individuell abgestimmte Angebote benötigen. Das Bundesarbeitsministerium will im Herbst dennoch eine verbindliche Roadmap zur Digitalisierung des Sozialstaats vorlegen. table.media/berlin

Milliardenklage gegen Meta: Mehrere US-Bundesstaaten verklagen den Technologiekonzern Meta vor einem kalifornischen Gericht wegen einer absichtlich herbeigeführten Social-Media-Sucht bei minderjährigen Nutzern. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Konzern vor, die Funktionsweise von Kindergehirnen bei der App-Gestaltung gezielt auszunutzen und Risiken bewusst zu verschweigen. Den Klägern zufolge drohen dem Unternehmen bei einer Verurteilung immense Strafzahlungen in Höhe von bis zu 200 Milliarden Dollar. Meta weist die Vorwürfe strikt zurück und verweist auf die kürzlich erfolgte Löschung von 600.000 illegalen Kinder-Accounts. tagesspiegel.de

RAT UND TAT

Handwerk trotzt dem Trend: Die deutschen Handwerksbetriebe verbuchen mit 67.800 neuen Ausbildungsverträgen im ersten Halbjahr einen Zuwachs von knapp fünf Prozent und profitieren von der Krise in der Industrie. Junge Berufseinsteiger schätzen laut Handwerkspräsident Jörg Dittrich zunehmend die hohe Jobsicherheit fernab von Ersetzungsrisiken durch künstliche Intelligenz. Exportabhängige Industrieunternehmen reduzieren aufgrund der angespannten Weltmarktlage gleichzeitig ihr Ausbildungsangebot zum Teil drastisch. Das Handwerk fordert nun dringend staatliche Gelder für die Sanierung veralteter Bildungszentren, um die Gleichwertigkeit zur akademischen Laufbahn sicherzustellen. n-tv.de

Teure Gehaltsdiskriminierung: Das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg verurteilt den Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck in einem Prozess um Geschlechterdiskriminierung zu einer Gehaltsnachzahlung von 210.000 Euro an eine Managerin. Die Richter sprachen der weiblichen Führungskraft die exakte Differenz zwischen ihrem Einkommen und dem Median-Entgelt der männlichen Kollegen auf derselben Hierarchieebene zu. Das betroffene Unternehmen bestreitet trotz der Niederlage weiterhin jede Form einer strukturellen geschlechtsspezifischen Benachteiligung im Konzern. Die unterstützende Gesellschaft für Freiheitsrechte kritisiert das Urteil dennoch, da es das verbriefte Recht auf gleiche Bezahlung in der Praxis aufweicht. zeit.de

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Widerstandsfähige Solar-Innovation: Ein neuartiges Beschichtungsverfahren aus China verhilft hocheffizienten Perowskit-Solarzellen erstmals zum erfolgreichen Bestehen globaler Langzeittests bezüglich der Witterungsbeständigkeit. Die an der Universität Nanjing entwickelten Solarmodule erzielen einen starken Wirkungsgrad von 24 Prozent und können es mit klassischen siliziumbasierten Anlagen aufnehmen. Eine kommerzielle Kombination der lichtempfindlichen Perowskit-Technologie mit herkömmlichen Silizium-Zellen könnte die künftige Stromproduktion auf gleicher Fläche um 50 Prozent steigern. golem.de

ANGEZÄHLT

In der aktuellen Forsa-Erhebung nenne 79 Prozent die ökonomische Situation als die drängendste landesweite Herausforderung. Diese Sorge dominiert bei 98 Prozent der AfD-Wähler, 81 Prozent der Unions-Wähler und 72 Prozent der SPD-Anhänger, während Grüne und Linke mit 63 sowie 57 Prozent geringere Werte aufweisen. Als zweitgrößtes Problem rügen 50 Prozent die Politiker und Parteien, wobei die Kritik im Osten mit 56 Prozent über dem West-Wert von 46 Prozent liegt. Die sozialen Sicherungssysteme folgen in dieser Problemrangliste mit 42 Prozent, während das Thema Zuwanderung und Ausländer von 17 Prozent der Bürger genannt wird. tagesspiegel.de

ZITAT DER WOCHE

“Gerade vor dem Hintergrund des massiven Stellenabbaus in der Industrie ist eine so drastische Einschränkung der Altersteilzeit mehr als fahrlässig.”

Linken-Abgeordnete Sarah Vollath kritisiert die Regierungspläne, das von 82 Prozent der Betroffenen genutzte Blockmodell künftig zu verbieten. Zudem soll das mögliche Startalter für den flexiblen Vorruhestand nach dem Willen der Rentenkommission von 55 auf 58 Jahre steigen. Während Vollath infolgedessen einen drastischen Anstieg betriebsbedingter Kündigungen befürchtet, verweist das Sozialministerium für den sozialverträglichen Personalumbau stattdessen auf ansparbare Wertguthaben. welt.de

ZULETZT

Tierischer Fahrgast im Waschgang: Ein ausgebüxtes Schaf hat sich im westfälischen Lüdinghausen für seine abendliche Pause ausgerechnet einen geparkten Linienbus ausgesucht. Mitarbeiter entdeckten das wollige Tier zwischen den Sitzen und riefen umgehend die Polizei zur Hilfe. Weil das Fahrzeug bereits startklar in der Halle stand, absolvierten die Beamten samt Schaf kurzerhand das volle Bürstenprogramm. Erst draußen auf dem Betriebshof konnte der blinde Passagier schließlich unversehrt an seinen Besitzer übergeben werden. faz.de

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