Jeden Donnerstag liefern wir mit den Wirtschaftsperspektiven einen Überblick über die wichtigsten wirtschaftlichen Themen der Woche.
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AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT
Arbeitsmarkt verzeichnet nur schwache Herbstbelebung: Die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit um Chefin Andrea Nahles erwartet im September lediglich einen moderaten Rückgang der Erwerbslosigkeit. Zahlreiche Unternehmensmeldungen über bevorstehenden Personalabbau dämpfen die Hoffnungen, die Marke von zuletzt 3,061 Millionen Arbeitslosen im August spürbar zu unterschreiten. Auf lange Sicht prognostizieren Forscher jedoch eine schrumpfende Arbeitskräftebasis durch massenhafte Renteneintritte und geringeren Zuzug aus dem Ausland. Dieser demografische Wandel dürfte in Kombination mit konjunkturellen Stimulierungspaketen der Bundesregierung künftig für sinkende Arbeitslosenzahlen sorgen. tagesspiegel.de
Wirtschaftsforscher pochen auf komplette Rentenreform: In einem gemeinsamen Aufruf verlangen 47 führende Wissenschaftler von der Bundesregierung, das vorgelegte Reformpaket ohne politische Abstriche umzusetzen. Besonderen Unmut zieht dabei die teure, abschlagsfreie „Rente mit 63“ auf sich, von der laut den Experten vor allem gesündere Besserverdiener und Männer profitieren. Die Unterzeichner fordern stattdessen gezielte Hilfen für Härtefälle, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden müssen. Das Reformbündel entfalte seine stabilisierende ökonomische Wirkung nur im Zusammenspiel von späterem Renteneintritt, strengerem Nachhaltigkeitsfaktor und einer gesetzlichen Kapitalrente. spiegel.de
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26 Prozent sehen die E-Rechnung als wichtigen Digitalisierungstreiber: Für viele Unternehmen ist sie längst mehr als eine gesetzliche Pflicht. Sie steht für modernere Prozesse und bildet die Basis für weitere digitale Entwicklungen. Doch damit Deutschland das Potenzial ausschöpfen kann, müssen bestehende Lösungen konsequent genutzt und Unternehmen mitgenommen werden.
verband-e-rechnung.org (Studie als PDF) verband-e-rechnung.org (Panel “E-Rechnung als Treiber der Digitalisierung”)
Grüne fordern Vermögensteuer für Extremvermögen: Ab einem Besitz von 500 Millionen Euro soll nach Plänen der Bundestagsfraktion künftig ein Grenzsteuersatz von zwei Prozent greifen. Dieser Tarif steigt linear an und erreicht ab zehn Milliarden Euro einen Spitzenwert von vier Prozent, was laut Berechnungen jährlich über 20 Milliarden Euro in die Kassen von Ländern und Kommunen spülen könnte. Die Abgabe träfe lediglich einige hundert Haushalte der reichsten 0,0007 Prozent der Bundesbürger. Die Initiatoren rechtfertigen den massiven Eingriff in einem Begleitpapier mit klaffenden Gerechtigkeitslücken, da hohe Vermögen im Vergleich zu Einkommen anteilig deutlich geringer besteuert würden. tagesspiegel.de
Zukunft der Erneuerbaren-Förderung bleibt ungewiss: Union und SPD ringen hinter verschlossenen Türen erbittert über die novellierte EEG-Förderung und das sogenannte Netzanschlusspaket. Gelingt bis Jahresende keine parlamentarische Einigung inklusive beihilferechtlicher EU-Genehmigung, dürfen künftig keine neuen finanziellen Zuschläge mehr gewährt oder ausgezahlt werden. Das würde kleine Dachanlagen, große Windparks und Direktvermarkter vor enorme wirtschaftliche Unsicherheiten stellen. Am härtesten träfe ein Förderstopp jedoch die Betreiber von Bioenergie-Anlagen, denen bei einem Weiterbetrieb auf reines Marktrisiko vielerorts die sofortige Stilllegung droht. spiegel.de
Batteriemangel erzwingt Produktionsstopp bei Stellantis: Der Autokonzern legt die Fertigung in den drei französischen Werken Sochaux, Rennes und Mulhouse für mindestens eine Woche auf Eis. Hintergrund ist ein massiver Lieferengpass bei Akkus für reichweitenstarke Elektroautos, die derzeit besonders bei gewerblichen Flottenkunden extrem gefragt sind. Um angesichts der unbefriedigten Nachfrage nach Kernmodellen wie dem Citroën C5 Aircross keine falschen Lagerbestände aufzubauen, wurde der Produktionsplan kurzfristig angepasst. Die betroffenen Mitarbeiter erfuhren erst am Dienstag von den weitreichenden Werksschließungen. handelsblatt.com
Volkswagen kündigt neun von zehn Tarifverträgen und stellt auch den Manteltarifvertrag zur Disposition: Der Konzern begründet den zum 31. Dezember fristgerecht erfolgten Schritt mit der gestiegenen Kostenbelastung; Regelungen müssten angepasst werden. Personalvorstand Arne Meiswinkel verwies auf eine gravierend verschärfte Lage in den vergangenen 18 Monaten und wachsende Konkurrenz chinesischer Hersteller in Europa; VW müsse deshalb jetzt handeln. Die IG Metall wertete die Kündigung als “übles Foul” an der Belegschaft und kündigte Widerstand dagegen an, dass unternehmerische Kosten und Risiken auf die Beschäftigten verlagert werden. n-tv.de, handelsblatt.com
Kreml enteignet deutsches Metro-Großhandelsgeschäft: Per Sonderdekret hat Präsident Wladimir Putin sämtliche russischen Vermögenswerte des Düsseldorfer Handelskonzerns unter staatliche Zwangsverwaltung der erst im September gegründeten UK Torg RUS gestellt. Das Unternehmen verliert damit die gesamte operative Kontrolle über 91 Großhandelsgeschäfte und rund 9.000 lokale Mitarbeiter. Das dynamisch wachsende Segment generierte in den ersten neun Monaten des Jahres 2,14 Milliarden Euro Erlös und stand zuletzt für ein Drittel des gesamten Konzernwachstums. Als offizielle Begründung führt Moskau die militärische Unterstützung der Ukraine durch die westlichen Heimatländer der betroffenen Firmen an. tagesschau.de
Biontech schließt drei deutsche Werke: Wegen massiver Überkapazitäten und gescheiterter Verkaufsgespräche stellt der Mainzer Pharmakonzern die Produktion in Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein bis 2028 endgültig ein. Von dem harten Sparkurs sind bundesweit rund 1.800 Beschäftigte betroffen, während die Herstellung des Corona-Impfstoffs künftig komplett an amerikanische und europäische Pfizer-Standorte ausgelagert wird. Gleichzeitig verlässt das Gründer-Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci das kriselnde Unternehmen, um ein neues mRNA-Startup namens Arife aufzubauen. Hinter den Kulissen tobt laut Insidern ein heftiger Machtkampf um die angemessene Vergütung der lukrativen Wirkstoffpatente. tagesschau.de, n-tv.de
DIGITALISIERUNG
OpenAI attackiert Meta mit KI-Agenten: Auf der Entwicklerkonferenz in San Francisco hat Unternehmenschef Sam Altman mit „Dots“ ein ständig aktives Softwareprogramm für den Privat- und Arbeitsalltag präsentiert. Der Vorstoß gilt als direkte technologische Antwort auf das kurz zuvor vorgestellte Konkurrenzprodukt „Muse“ des Rivalen Meta. Trotz Altmans Aufruf zu einer kreativen Zukunft überschatteten anhaltende Sicherheitsdebatten und laute Proteste vor dem Gebäude das wichtige Branchenevent. handelsblatt.com
Neues Radar stoppt Drohnen am BER: Die Deutsche Flugsicherung hat am Berliner Hauptstadtflughafen ein spezielles Erkennungssystem in Betrieb genommen, um den sensiblen An- und Abflugbereich besser zu überwachen. Mit 28 registrierten Sichtungen im ersten Halbjahr 2026 ist der BER der am stärksten betroffene Airport in Deutschland; sieben Mal musste der Flugbetrieb deshalb sogar komplett gestoppt werden. Das Bundesverkehrsministerium kündigte an, im Laufe des Jahres weitere internationale Verkehrsflughäfen mit der Technik auszustatten, um verlässliche Informationen über mögliche Gefährdungslagen zu gewinnen. zeit.de
SpaceX-Rakete erreicht erstmals die Erdumlaufbahn: Beim 14. Testflug steuerte die obere Stufe des 120 Meter großen Starship-Systems planmäßig in einen Orbit in 275 Kilometern Höhe ein. Tech-Milliardär Elon Musk wertete die Mission als großen Erfolg, da auch das Aussetzen neuer V3-Starlink-Satelliten mitsamt dem Ausklappen der Solarpaneele reibungslos funktionierte. Wegen eines ausgefallenen Triebwerks kehrte die Riesenrakete allerdings schon nach drei statt der geplanten zehn Stunden zurück und stürzte in einem Feuerball kontrolliert in den Pazifik. tagesspiegel.de
RAT UND TAT
ANGEZÄHLT
Um 60 Prozent soll das Budget der Europäischen Union nach dem Entwurf von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für die Jahre 2028 bis 2034 anwachsen. In einem gemeinsamen Brandbrief an den irischen Ratsvorsitzenden Micheál Martin bezeichneten Bundeskanzler Friedrich Merz und fünf weitere Nettozahler diesen Vorstoß als wirtschaftlich völlig unrealistisch. Die Allianz aus Berlin, Den Haag, Wien, Kopenhagen, Helsinki und Stockholm fordert stattdessen drastische Kürzungen von mehreren hundert Milliarden Euro über sämtliche Ausgabenbereiche hinweg. Demgegenüber plädieren Frankreich und Italien als zweit- und drittgrößte Beitragszahler weiterhin für eine spürbare Ausweitung der Brüsseler Finanzmittel. : handelsblatt.com
ZITAT DER WOCHE
Bei Markus Lanz räumte der ehemalige Arbeitsminister Hubertus Heil unumwunden ein, dass das inzwischen abgeschaffte Bürgergeld in seiner ursprünglichen Form nicht leistungsgerecht war. Im März hatte der Bundestag die stark kritisierte Reform durch eine neue Grundsicherung mit strengeren Pflichten und schärferen Sanktionen ersetzt. zdfheute.de
ZULETZT
Pazifik verzeichnet historische Rekordhitze: Die aktuellen Wassertemperaturen vor der amerikanischen Westküste haben den bisherigen Spitzenreiter aus dem Krisenjahr 2015 offiziell übertrumpft. Das natürliche Klimaphänomen El Niño ist damit schon jetzt so stark wie nie zuvor gemessen und verursacht weltweit bereits extreme Wetterereignisse. Laut dem US-Klimaforscher Zeke Hausfather entfaltet sich das System derzeit erst noch; der eigentliche Höhepunkt wird zwischen November und Januar erwartet. sueddeutsche.de