Jeden Donnerstag liefern wir mit den Wirtschaftsperspektiven einen Überblick über die wichtigsten wirtschaftlichen Themen der Woche.
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AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT
Industrieaufträge steigen im Mai: Vor allem Bestellungen aus dem Euroraum sowie Großaufträge im Fahrzeugbau stützen die Entwicklung. Der Auftragseingang legte im Jahresvergleich um 6,2 Prozent zu, Inlandsorder wuchsen nur moderat. Impulse kamen neben Flugzeugen und Schiffen auch aus Maschinenbau und Elektrotechnik, die Autobranche bleibt schwächer. Ökonomen sehen darin eine Stabilisierung nach dem Nahostkonflikt, warnen aber vor anhaltenden Risiken durch hohe Kosten, Fachkräftemangel und regulatorische Belastungen. Parallel treibt die Aussicht auf ausbleibende US-Zinserhöhungen die Börsen, doch mit Blick auf die anstehende Berichtssaison wächst die Nervosität über die Tragfähigkeit hoher Bewertungen, insbesondere im Umfeld großer KI-Investitionen. tagesschau.de
Autoindustrie-Verband warnt vor Werksschließungen: Der Druck auf Kostenstrukturen und Geschäftsmodelle wächst branchenweit deutlich. VDA-Präsidentin Hildegard Müller fordert tiefgreifende Anpassungen, da Standorte sonst nicht zu halten seien. Beim Volkswagen-Konzern könnten laut Berichten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, zudem stehen die Werke in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm mit möglichem Produktionsende bis 2034 zur Disposition. Parallel verschärfen sich die Konflikte mit Arbeitnehmern. Der Verband bringt auch Kooperationen mit ausländischen Herstellern als Option zur Sicherung von Standorten und Arbeitsplätzen ins Spiel. n-tv.de
- Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will E-Auto-Prämie auch für Gebrauchte. n-tv.de
- BMW springt bei E-Auto-Zulassungen in Deutschland auf Rang zwei. n-tv.de
- Fast jedes dritte Autowerk in Europa ist überflüssig. handelsblatt.com
- Porsche streicht weitere 4000 Stellen. sueddeutsche.de
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Beitragsbemessungsgrenze? Da ist nicht nur das Wort ein Ungetüm. Sondern auch die geplante Extra-Erhöhung. Die deutsche Industrie baut jeden Monat rund 10.000 Arbeitsplätze ab – nicht zuletzt aufgrund der hohen Abgabenlast. Da kann man doch nicht allen Ernstes die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung noch weiter nach oben treiben. Mehr auf pkv.de
BASF fährt China-Großprojekt in Zhanjiang schneller als geplant hoch: Der 8,7-Milliarden-Euro-Standort in China unterschritt das Budget und ging vollständig produktionsfähig in Betrieb, was bei Großprojekten selten ist. Trotz zunächst erwarteter Verluste im ersten Jahr verzeichnete das Werk bereits fast zwei profitable Monate. Gleichzeitig treibt BASF im Stammwerk Ludwigshafen einen tiefgreifenden Umbau voran: weniger Personal, höhere Produktivität und klare Effizienzprogramme. Von geplanten jährlichen Einsparungen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro bis 2026 sind bereits rund 1,9 Milliarden erreicht, weitere Kosten sollen durch Automatisierung, Standardisierung und Verlagerung von Funktionen nach Indien sinken. tagesspiegel.de
Koalition kürzt Heizungsförderung: Die Anpassungen sollen den Bundeshaushalt bis 2030 um bis zu 2,1 Milliarden Euro entlasten und zugleich gezielter fördern. Künftig profitieren vor allem Haushalte mit niedrigerem Einkommen und Familien, während Boni für schnelle Umstiege schrittweise entfallen und die maximal förderfähigen Kosten sinken. Parallel fällt die Pflicht weg, neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Gas- und Ölheizungen bleiben erlaubt, wenn der Anteil klimaneutraler Brennstoffe steigt. Für mittelständische Betriebe bedeutet das mehr technologische Flexibilität, aber auch Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen, da zentrale Details, Kritikpunkte und eine mögliche Verfassungsprüfung noch offen sind. tagesschau.de, zeit.de
Kabinett beschließt Wohngeld-Kürzungen: Die Änderungen treffen perspektivisch alle derzeit rund 1,2 Millionen Wohngeldhaushalte und wirken schrittweise mit neuen Bescheiden. Vorgesehen sind das Aussetzen der Inflationsanpassung, eine halbierte Heizkostenkomponente sowie eine geänderte Formel, die den Empfängerkreis verkleinert. Haushalte an der oberen Einkommensgrenze verlieren den Anspruch ganz, verbleibende Empfänger erhalten geringere Beträge, während ein Teil in die Grundsicherung wechselt. Für öffentliche Haushalte entstehen dort Mehrkosten, dennoch erwartet der Bund netto Einsparungen von rund 1,16 Milliarden Euro ab 2027, was mittelständisch geprägte Regionen über veränderte Kaufkraft und Nachfrage indirekt spüren könnten. tagesspiegel.de
Gesetzentwurf zum Gebäudetyp E fertig: Die Initiative reagiert auf steigende Baukosten und wachsenden Druck im Wohnungsmarkt. Der Entwurf schafft einen neuen Bauvertrag, der klar definiert, welcher Standard zwischen Auftraggeber und Bauunternehmen gilt und so die Rechtssicherheit erhöht. Geplant ist ein Kabinettsbeschluss nach der Sommerpause. Für den Bau- und Immobiliensektor eröffnet das Modell Spielräume, etwa durch kompaktere Bauweisen, robustere Materialien und den Verzicht auf nicht zwingende Ausstattungsdetails. handelsblatt.com
Weitere Meldungen:
- Unicredit erhöht Anteil im Übernahmekampf auf über 44 Prozent. handelsblatt.com
- Fahrpläne werden ausgedünnt: Verkehrsbranche fehlen bald Zehntausende Bus- und Bahnfahrer. n-tv.de
- Bäckerei-Insolvenzen um 40 Prozent gestiegen. tagesschau.de
- Rewe will Teil der Feneberg-Standorte übernehmen. zeit.de
- Uber bremst Uber-Eats-Expansion in Europa. heise.de
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DIGITALISIERUNG
Betriebsärzte sollen per GeDIG-Entwurf Vollzugriff auf ePA erhalten: Für Unternehmen könnte der Schritt Abläufe im betrieblichen Gesundheitsmanagement vereinfachen und Doppeluntersuchungen reduzieren. Der Referentenentwurf sieht vor, dass Beschäftigte aktiv widersprechen müssen, wenn Betriebsärzte keine Einsicht in Diagnosen, psychologische Befunde oder Klinikberichte erhalten sollen. Berufsverbände warnen jedoch vor Risiken beim Umgang mit besonders sensiblen Daten, etwa bei Personalentscheidungen oder Wiedereingliederungen. Unabhängig vom Gesetzgebungsverfahren können Versicherte den Zugriff bereits heute gezielt über App, PC-Zugang oder Krankenkassen-Ombudsstellen einschränken. handelsblatt.com
RAT UND TAT
Unternehmen sehen Demokratie als Standortvorteil: Eine breite Mehrheit der Wirtschaft versteht sich zugleich als Teil der demokratischen Ordnung und erwartet klare politische Rahmenbedingungen. Vier von fünf Unternehmen engagieren sich aktiv für demokratische Werte, etwa über Leitbilder oder Netzwerke, treten damit aber oft nicht öffentlich auf – vor allem wegen knapper Ressourcen und Zweifel an der Wirksamkeit, heißt es in einer Bertelsmann-Studie. Gleichzeitig berichten rund ein Drittel der Firmen von spürbaren negativen Effekten politischer Unsicherheit auf das Betriebsklima. fr.de, taz.de
Regierung plant Kürzung des Elterngelds auf 12 Monate: Der Entwurf setzt stärker auf eine gleichmäßige Aufteilung der Betreuung zwischen den Eltern. Künftig soll Elterngeld nur noch zwölf statt 14 Monate gezahlt werden, wobei je drei Monate fest für Mutter und Vater reserviert sind und sechs Monate flexibel verteilt werden können. Gleichzeitig steigen Mindest- und Höchstbetrag auf 330 beziehungsweise 1900 Euro, Alleinerziehende sollen weiterhin bis zu zwölf Monate beziehen können. Für Unternehmen relevant: Längere verpflichtende Auszeiten beider Elternteile könnten Personalplanung erschweren, während parallel Anpassungen im Mutterschutz die Dauer arbeitszeitlicher Beschäftigungsverbote auf zwölf Monate begrenzen sollen. rnd.de
IfW Kiel warnt vor strengeren Krankschreibungsregeln: Die Forscher sehen in einer Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag bei gleichzeitigem Aus für telefonische Krankschreibungen steigende Risiken für Ansteckungen in Betrieben und überfüllte Praxen. Stattdessen plädieren sie dafür, telefonische Krankschreibungen auf den jeweiligen Hausarzt zu beschränken, der seine Patienten kennt. So ließen sich Fehlanreize durch kommerzielle Video-Anbieter mit schnellen Krankschreibungen reduzieren. Angesichts einer alternden Belegschaft und höherer Erwerbsbeteiligung halten sie zudem niedrigere Krankenstände wie früher für unrealistisch und empfehlen mehr Fokus auf Prävention und Gesundheitsförderung. deutschlandfunk.de
Minijob-Ausnahmen für Studenten: Hintergrund ist die Empfehlung der Rentenkommission, Minijobs weitgehend abzuschaffen, um die soziale Absicherung zu stärken. SPD-Politikerin Annika Klose zeigt sich offen, Studenten auszunehmen, etwa über eine ausgeweitete Werkstudentenregelung oder vergünstigte Rentenbeiträge. Arbeitgeber aus Branchen wie Gastronomie und Handel warnen vor negativen Folgen und erhalten Unterstützung aus der Union, die Änderungen fordert. Eine Umsetzung der Reform würde mit einer Übergangsfrist von zwei bis drei Jahren erfolgen. welt.de
ANGEZÄHLT
Alkoholfreies Bier gewinnt Marktanteile in Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt produzierten größere Betriebe 616 Millionen Liter alkoholfreies Bier, ein Plus von 6,5 Prozent. Alkoholhaltiges Bier ging um 5,8 Prozent und Radler um 5,7 Prozent zurück. Trotz des Wachstums bleibt das Segment mit 696 Millionen Euro Umsatz deutlich kleiner als klassisches Bier mit 6,4 Milliarden Euro, gewinnt aber kontinuierlich an Bedeutung. handelsblatt.com
ZITAT DER WOCHE
Grünen-Politikerin Ricarda Lang warnt die Koalition davor, die geplanten strengeren Regeln für Krankschreibungen im Job umzusetzen. zeit.de
ZULETZT
Weniger Panzerknacker unterwegs: Sicherheitsmaßnahmen zeigen Wirkung, denn offenbar wird das “Geschäftsmodell” für die Zunft zunehmend unattraktiv. Banken haben mit Farbpatronen, Nebelmaschinen und betonharten Gehäusen aufgerüstet – und verderben den Tätern zuverlässig die Beute. 2025 lag die Zahl der Angriffe bereits deutlich unter früheren Werten, im ersten Quartal 2026 nochmals rund 60 Prozent unter Vorjahr, also deutlich weniger unerwünschte Kundschaft mit sehr speziellen Geschäftsmodellen. n-tv.de