Jeden Donnerstag liefern wir mit den Wirtschaftsperspektiven einen Überblick über die wichtigsten wirtschaftlichen Themen der Woche.
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AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT
Regierung spricht nach erstem Investorengipfel von Zusagen über 230 Milliarden Euro: Weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungen sollen Investitionen in Deutschland erleichtern. Kanzler Friedrich Merz nannte bei der Investorenkonferenz in Berlin als Beispiel Amazon mit angekündigten Investitionen von rund 16 Milliarden Euro; zu den weiteren genannten Investoren gehören Nvidia, die Schwarz-Gruppe, RWE, Blackstone, Microsoft und Sanofi. Die zusätzlich angeführten Investitionspläne der Unternehmensinitiative “Made for Germany” über mehr als 800 Milliarden Euro bis 2028 waren bereits Ende September bekanntgegeben worden. Finanzminister Lars Klingbeil mahnte weitere Strukturreformen an. Die Regierung will die Investorenkonferenz wiederholen. t-online.de, spiegel.de, wiwo.de, thepioneer.de
- Bundesregierung vereinbart KI-Deal mit Nvidia. spiegel.de
- Pharma-Riese Roche stoppt Investitionen in Deutschland; “Politik hat Vertrauen zerstört”. n-tv.de
China plant Exportkontrollen für Solartechnologien: Pekings Handelsministerium begründet den Vorstoß mit Sicherheitsbedenken, weil Solartechnik zunehmend in der Luft- und Raumfahrt sowie der nationalen Verteidigung eingesetzt werde. Das erschwert Europas Herstellern aber gleichzeitig den Zugang zu Produktionswissen. Bis zur offiziellen Aktualisierung des Kontrollkatalogs sollen Exporteure bestimmte Technologietransfers ins Ausland melden müssen. Für Solarhersteller in Europa könnten die Beschränkungen den Aufbau wettbewerbsfähiger Fertigung erschweren, nachdem günstige chinesische Module bereits viele heimische Anbieter zur Drosselung oder Aufgabe ihrer Produktion gezwungen haben. faz.net, focus.de
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Wartezeiten auf Arzttermine: vergleichbar kurz – und doch zu lang? Aktuell wird wieder einmal über Wartezeiten auf Arzttermine diskutiert. Studien zeigen: Im internationalen Vergleich steht Deutschland sehr gut da. Doch auch hierzulande gibt es Faktoren, die Termine verknappen. Unser „Faktencheck Wartezeiten“ nennt die Gründe – und zeigt, wie es besser geht. Mehr auf pkv.de
Volkswagen plant weltweiten Gehaltsstopp bis 2030 für rund 660.000 Beschäftigte: Nach Angaben der Arbeitnehmervertretung gilt die Vorstandsvorgabe seit Anfang Oktober; sie würde die bisher vorgesehenen Budgets für Inflationsausgleich und dezentrale Tarifverhandlungen ersetzen und könnte laut Betriebsrat bis Ende des Jahrzehnts Kaufkraftverluste von zehn Prozent oder mehr verursachen. Die IG Metall fordert dagegen fünf Prozent mehr Geld, sowohl bei VW als auch für die bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie, zu der auch viele mittelständische Unternehmen gehören. Zusätzlich zu bisherigen Abbauplänen will der Vorstand weltweit weitere 50.000 Stellen streichen. zeit.de
Netzentgelte steigen 2027 bundesweit im Schnitt um 1,9 Prozent bei Strom und drei Prozent bei Gas: Für einen Dreipersonenhaushalt mit 4000 Kilowattstunden Stromverbrauch ergeben sich laut Verivox rechnerisch rund acht Euro brutto Mehrkosten jährlich, für eine Familie mit 20.000 Kilowattstunden Gasverbrauch rund 19 Euro. Für die Energiekostenplanung mittelständischer Betriebe bleibt neben der regionalen Netzentwicklung die Beschaffung entscheidend: Wegen gestiegener Großhandelspreise infolge des Irankriegs erwartet Verivox insgesamt höhere Gaspreise, während die Strompreisentwicklung davon abhängt, inwieweit Versorger höhere Beschaffungskosten kompensieren können. sueddeutsche.de, spiegel.de
EU-Staaten wollen Ausnahmen bei Verpackungsregeln: Seit August müssen Unternehmen beim Verkauf in andere EU-Mitgliedsländer dort jeweils einen Bevollmächtigten benennen, der die Finanzierung der Verpackungsentsorgung sicherstellen soll – selbst bei einer einzelnen Bestellung. Die geplante Ausnahme soll europäische Hersteller unterhalb der Mengenschwelle je Zielland entlasten; für Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU bleibt die Pflicht unverändert. Das EU-Parlament hatte sich für eine Ausnahme nach Unternehmensgröße ausgesprochen: weniger als 50 Mitarbeiter und ein Jahresumsatz oder eine Bilanzsumme von unter zehn Millionen Euro. Mit der Einigung der Mitgliedstaaten können nun die Verhandlungen mit dem Parlament über die Entlastung beginnen.
Weitere Meldungen:
- Kompromissvorschlag der Union: Abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren soll bleiben; Pflege- und Erziehungszeiten aber künftig weniger berücksichtigt werden. welt.de
- Insolventen Warenhauskette Galeria bekommt wichtigen Kredit und damit “deutlich mehr Spielraum”. handelsblatt.com
- VW ruft wegen Brandgefahr weltweit mehr als 70.000 E-Autos zurück. tagesschau.de
- Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli entlässt nach Rückgang des Aktienkurses den Chef. sueddeutsche.de
- Polnische Investoren stärken die deutsche Wirtschaft. zdfheute.de
- Meta investiert mindestens 135 Milliarden Dollar in KI. handelsblatt.com
DIGITALISIERUNG
Fehlerhafte E-Rechnungen gefährden ab 2027 den Vorsteuerabzug auch kleiner Unternehmen: Rechnungsempfänger müssen selbst prüfen, ob die Dokumente ordnungsgemäß sind; das Finanzministerium hat die Kriterien mit seinem Schreiben von Mitte Oktober nochmals verschärft. Nach Angaben des Heilbronner Steuerberaters Jochen Diehm droht andernfalls, dass die ausgewiesene Umsatzsteuer von 19 Prozent nicht erstattet wird. Das betrifft auch kleine Mittelständler, Freiberufler und Solo-Selbstständige, unabhängig von ihrer eigenen Pflicht zum Versand elektronischer Rechnungen. Fallen fehlerhafte Rechnungen bei einer Betriebsprüfung auf, können die Behörden bereits erstattete Beträge zuzüglich Zinsen zurückfordern. handelsblatt.com
Zwei kritische PHP-Sicherheitslücken lösen weltweit Website-Abschaltungen aus: Angreifer könnten aus der Ferne Schadcode auf betroffenen Servern ausführen, sensible Kundendaten stehlen und die Infrastruktur für weitere Cyberattacken missbrauchen. Das BSI bewertet das Risiko als außerordentlich hoch und fordert unverzügliche Gegenmaßnahmen. Seit Mittwochnachmittag stehen bereinigte PHP-Versionen bereit, die laut PHP-Foundation zwingend sofort installiert werden müssen. Experten hatten empfohlen, betroffene Webserver bis dahin vom Netz zu trennen, wenn Betreiber das Risiko einer Kompromittierung ausschließen wollen. tagesschau.de, heise.de
Google-Cloud-Ausfall in London beeinträchtigt Banken und weitere Online-Dienste in Europa: Zeitweise waren Kontozugriffe und digitale Zahlungen eingeschränkt; auch Webseiten und Unternehmensanwendungen auf Basis der Google-Infrastruktur verzeichneten Probleme. Das Störungsportal Downdetector registrierte Hunderte Meldungen zu HSBC, Lloyds Bank, dem Immobilienportal Rightmove und dem britischen Postunternehmen Royal Mail. Auch ING meldete Einschränkungen, schloss einen Zusammenhang mit Google jedoch aus und erklärte, alle Dienste seien wieder verfügbar. Google bestätigte technische Schwierigkeiten und arbeitete an der Behebung; die Ursache und das genaue Ausmaß der internationalen Schäden waren noch unklar. n-tv.de
RAT UND TAT
Deutsche Post will Standardbrief-Porto Anfang 2027 um 20 Cent auf 1,15 Euro erhöhen: Sinkende Briefmengen und steigende Kosten machen die Verteuerung nach Angaben des Unternehmens unvermeidbar. Für den Standardbrief wäre der Aufschlag von 21,05 Prozent der bislang höchste Porto-Anstieg; auch Postkarten, Groß- und Maxibriefe sollen teurer werden, der Kompaktbrief um 15 Cent beziehungsweise 13,64 Prozent auf 1,25 Euro. Die Bundesnetzagentur hat für 2027 und 2028 einen Spielraum für insgesamt 20,35 Prozent höhere Einnahmen aus dem Briefversand vorgeschlagen. Innerhalb dieser Vorgabe darf die Post die Aufschläge je Briefart selbst festlegen. handelsblatt.com
Kapitalbindung steigt weltweit auf mehr als 67 Tage: Das für Waren und Leistungen eingesetzte Geld floss 2025 durchschnittlich rund vier Tage später zurück als in den vier Jahren vor Corona, zeigt eine Untersuchung des Kreditversicherers Allianz-Trade. Auch viele Mittelständler kämpfen mit dieser längeren Bindung ihres Kapitals im laufenden Geschäft. Wie sich gegensteuern lässt, zeigt der IT-Dienstleister Bechtle aus Neckarsulm: Er verbesserte sein Forderungsmanagement, optimierte die Lagerhaltung und steuerte Zahlungen an Lieferanten gezielter. Dadurch sank das gebundene Kapital von 976,6 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 500,5 Millionen Euro Ende 2025. handelsblatt.com
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Regierung plant für 2027 zwölf Milliarden Euro für Förderkredite und Beteiligungskapital im Mittelstand: Laut Creditreform liegt die Investitionsbereitschaft kleiner und mittlerer Unternehmen mit 37,7 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Jeder dritte Mittelständler hat zudem eine Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent und unterschreitet damit eine kritische Marke. Der geplante Ansatz im ERP-Sondervermögen liegt 600 Millionen Euro über dem Vorjahr; stimmt der Bundestag zu, können Unternehmen die Mittel über die KfW beantragen. Für investitionswillige Mittelständler ist der Zeitpunkt entscheidend: Wer sein Projekt bereits begonnen hat, erhält keinen Förderkredit. handelsblatt.com
ANGEZÄHLT
Deutschlands Industrie verliert von 2019 bis Ende 2025 insgesamt 496.000 Jobs. Besonders betroffen sind Kernbranchen wie Autohersteller und Zulieferer, die 123.500 Stellen strichen, Hersteller von Metallerzeugnissen mit rund 115.600 und Maschinenbauer mit 64.500 Stellen – zusammen rund 60 Prozent des industriellen Stellenabbaus von 7,1 Prozent. Neue Jobs entstehen meist nicht in besonders produktiven und innovativen Bereichen. Der Dienstleistungssektor gewann 2,2 Millionen Stellen hinzu, darunter 391.000 im Gesundheitswesen, 357.000 im Sozialwesen einschließlich Pflegeheimen und 329.000 in der öffentlichen Verwaltung. n-tv.de
ZITAT DER WOCHE
Lufthansa-Chef Carsten Spohr weist Kritik am Einstieg bei der portugiesischen TAP zurück. handelsblatt.com
WEITERE NEWSLETTER
Politbriefing: Putin offen für Dreiergespräche + Bundeswehr hebt Sabotage-Warnstufe an + AfD-Leak legt interne Konflikte offen + UN warnt vor 2,8 Grad Erwärmung + Wehrdienst + Milliarden aus EU-Topf für Deutschland + Bund plant besseren Schutz bei Elementarschäden. politbriefing.de
ZULETZT
Hotelgast haftet nach Kleiderbügel am Sprinklerkopf für rund 150.000 Euro Wasserschaden: Beim An- oder Abhängen des Bügels riss der Sprinklerkopf an der Zimmerdecke ab; Tausende Liter Wasser traten aus und der Gebäudeversicherer des Hotels nahm den Gast in Anspruch. Anders als die Vorinstanz wertete das Oberlandesgericht Düsseldorf das Verhalten als grob fahrlässig: Wer Kleidung an einem sichtbar fragilen Bauteil mit unklarer Funktion aufhänge, handle besonders sorglos. Eine Verwechslung mit einem Kleiderhaken schloss das Gericht aus. Fehlende Schutzklappen oder Warnhinweise entlasteten den Gast nicht, da die Montage außerhalb der üblichen Reichweite als Schutz genügte. t-online.de