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Prüfung der Erbschaftsteuer, Inflation steigt über drei Prozent, Umlagefinanzierte Gasreserve kommt, China-Krise trifft Autobauer, IWF hebt Wachstumsprognose an, Zweistufige Zuckersteuer ab 2027
in der Kalenderwoche 42, 2026
kuratiert von Luca-Janna Vagt

Jeden Donnerstag liefern wir mit den Wirtschaftsperspektiven einen Überblick über die wichtigsten wirtschaftlichen Themen der Woche.

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AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Regierung plant umlagefinanzierte nationale Gasreserve zur Krisenvorsorge: Das Wirtschaftsministerium unter Katherina Reiche hält trotz internen Widerstands an der Finanzierung durch eine Umlage fest, womit auf typische Haushalte schätzungsweise einstellige Mehrkosten zukommen. Ein aktueller Referentenentwurf sieht vor, ein Volumen von 24 Terawattstunden für Extremfälle wie Sabotage oder den Ausfall wichtiger Infrastruktur aufzubauen. Dies entspricht in etwa dem Ausfall der größten deutschen Importinfrastruktur für 30 Tage. Durch den gezielten Einsatz der Reserve nach Ausrufung der Notfallstufe soll künftig insbesondere verhindert werden, dass Industriekunden zwangsweise abgeschaltet oder private Gasbestände enteignet werden müssen. handelsblatt.com

Bundesverfassungsgericht prüft weitreichende Erbschaftsteuer für Betriebsvermögen: In Karlsruhe geht es derzeit vor allem um die Frage der verfassungsmäßigen Gleichbehandlung bei großen Vermögensübertragungen und die hohen Beträge, die Unternehmen vom Fiskus erlassen werden. Dabei stehen die weitreichenden Steuernachlässe für Konzerne und große Betriebe auf dem juristischen Prüfstand der Richter. Die Verhandlung dreht sich im Kern um den Konflikt zwischen strenger Steuergerechtigkeit und dem Erhalt von Arbeitsplätzen bei der unternehmerischen Nachfolge. Der Ausgang dieses richtungsweisenden Verfahrens könnte die langfristige Finanzplanung zahlreicher mittelständischer Eigentümer bei der Betriebsübergabe massiv verändern. sueddeutsche.de

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China-Krise belastet Absatz deutscher Autobauer und Zulieferer schwer: Ein ruinöser Preiskampf bei Elektromodellen mit einheimischen Herstellern lässt die Verkaufszahlen im wichtigsten asiatischen Markt derzeit drastisch einbrechen. Volkswagen verzeichnete dort im dritten Quartal einen herben Rückgang von 38,5 Prozent, während der Konkurrent BMW ein Minus von 24,8 Prozent melden musste. Auch Industriezulieferer wie Schaeffler bekommen diese Entwicklung inzwischen direkt zu spüren und müssen infolge der schwachen Nachfrage bereits Millionenbeträge abschreiben. Gleichzeitig drängen asiatische Marken wie BYD mit wachsenden Marktanteilen immer aggressiver nach Europa, weshalb die EU nun härtere Schutzmaßnahmen für die eigene Autoindustrie erwägt. tagesspiegel.de, faz.de, n-tv.de, handelsblatt.com

Deutsche Inflationsrate übersteigt im September erstmals wieder drei Prozent: Getrieben von drastisch gestiegenen Energiekosten erreichte die allgemeine Teuerung mit 3,3 Prozent den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Besonders stark zogen die Preise für leichtes Heizöl mit einem Plus von fast 75 Prozent sowie für Kraftstoffe an den Tankstellen mit über 37 Prozent an. Nahrungsmittel verteuerten sich hingegen im bundesweiten Durchschnitt nur leicht um 0,4 Prozent, wobei günstigere Speisefette und frisches Obst teureren Eiern und Gemüse gegenüberstanden. Die Kosten für Dienstleistungen stiegen mit 2,7 Prozent vergleichsweise unterdurchschnittlich, während Waren insgesamt spürbar teurer wurden. zeit.de

Koalition einigt sich auf zweistufige Zuckersteuer ab Mitte 2027: Hersteller müssen für gesüßte Getränke künftig 26 Cent pro Liter ab fünf Gramm Zucker und 32 Cent ab acht Gramm pro 100 Milliliter abführen. Eine Ausnahmeregelung befreit dabei kleinere Betriebe mit einer Jahresproduktion von unter einer Million Litern gezuckerter Getränke. Das Bundesfinanzministerium kalkuliert im Einführungsjahr mit zusätzlichen Steuereinnahmen von rund 690 Millionen Euro und erhofft sich gleichzeitig Anreize für gesündere Rezepturen. Branchenvertreter und Unionspolitiker kritisieren die Abgabe jedoch vehement als staatliche Lenkung, Preistreiber und zusätzliche Belastung für die überwiegend mittelständisch geprägte Getränkeindustrie. tagesschau.de

EU prüft Abwehrschirm gegen neue US-Sanktionen: Die US-Regierung will den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag unter Androhung von Sanktionen komplett vom internationalen Finanzsystem abschneiden. Diese extraterritorialen Maßnahmen wirken sich direkt auf Transaktionen und Geschäftsbeziehungen europäischer Unternehmen innerhalb der EU aus. Mehrere Europaparlamentarier sowie erste Mitgliedsstaaten fordern nun vehement die Aktivierung des sogenannten Blocking Statute, um die eigene Wirtschaft zu schützen. Damit wäre es hiesigen Firmen rechtlich bindend untersagt, sich an den amerikanischen Strafmaßnahmen zu beteiligen. tagesschau.de

Arbeitsministerin Bärbel Bas tritt von Regierungs- und Parteiämtern zurück: Die SPD-Politikerin legt nach einem schweren familiären Schicksalsschlag und heftiger öffentlicher Kritik an ihrer Amtsführung ihre Spitzenfunktionen nieder. Vertreter der Union hatten ihr zuvor eine systematische Verschleppung und Blockade wichtiger Reformvorhaben, etwa bei der Rente, vorgeworfen. Ihr Nachfolger Alexander Schweitzer übernimmt das verantwortungsvolle Ressort nun inmitten schwieriger arbeitsmarktpolitischer Herausforderungen und offener Gesetzgebungsprozesse. Ihr Bundestagsmandat für den Wahlkreis Duisburg I wird Bas nach eigenen Angaben jedoch weiterhin behalten. rnd.de, zeit.de

Lufthansa übernimmt portugiesische Airline TAP: Die deutsche Fluggesellschaft hat den Kaufpreis für einen Anteil von 44,9 Prozent vollständig in bar angeboten und die Offerte des direkten Rivalen Air France-KLM geschlagen, die auch Aktienkomponenten enthält. Die portugiesische Regierung hat am Mittwoch auf einer Sondersitzung abschließend über den strategischen Zuschlag entschieden. handelsblatt.com

DIGITALISIERUNG

Chiphersteller Nvidia investiert in französische Ärzteplattform Doctolib: Der wertvollste US-Technologiekonzern steigt als strategischer Minderheitsaktionär bei dem europäischen Praxisdienstleister ein. Durch diese Partnerschaft sollen gezielt KI-Talente gewonnen und medizinische Assistenzsysteme, wie etwa der in Deutschland verbreitete KI-Telefonassistent für Terminbuchungen, weiterentwickelt werden. Das französische Unternehmen verspricht sich von der Kooperation zudem einen direkten Zugang zur Expertise der amerikanischen Spezialisten. Alle sensiblen Gesundheitsdaten und zugrundeliegenden KI-Modelle verbleiben laut Firmenangaben jedoch strikt auf Servern innerhalb der EU. zeit.de

Entwickler Anthropic blockiert heimliche KI-Kopien durch Konkurrenten: Das kalifornische Unternehmen hat den unerlaubten Zugriff rivalisierender Firmen auf seine geschützten Sprachmodelle der Claude-Serie massiv eingeschränkt. Sogenannte Destillationsangriffe, die zur kostengünstigen und schnellen Entwicklung eigener Systeme genutzt werden, konnten durch neue technische Schutzmaßnahmen um bis zu 99 Prozent reduziert werden. Unter anderem sperrte der Entwickler zehntausende Proxy-Konten, darunter jene des chinesischen Start-ups Z.ai. Solche gezielten Datendiebstähle gelten im verschärften Technologiewettbewerb zwischen den USA und China inzwischen als erhebliches Risiko für die nationale Sicherheit. handelsblatt.com

Deutsch-dänisches Forschungsprojekt entwickelt modulares Robotersystem für Kliniken: Im Rahmen einer grenzüberschreitenden Kooperation testeten vier Krankenhäuser maschinelle Assistenten zur gezielten Entlastung des Pflegepersonals bei nicht-medizinischen Aufgaben. Eine autonome mobile Basisplattform übernimmt mit verschiedenen Aufsatzmodulen beispielsweise den gesicherten Materialtransport oder nächtliche Patrouillenfahrten mit Wärmebildkameras. Die humanoiden Aufsätze empfangen zudem Besucher in der Kinderklinik oder führen mit internationalen Pflegekräften strukturierte Sprachtrainings durch. Ein vom Fraunhofer IMTE neu entwickelter Leitfaden navigiert die Einrichtungen dabei rechtssicher durch die komplexen regulatorischen, arbeitsschutzrechtlichen und hygienischen Hürden. heise.de

RAT UND TAT

Neuer europäischer Satellit verbessert Extremwetter-Vorhersagen deutlich: Die Wetterorganisation Eumetsat erfasst dank einer neuen Technologie nun ein hochpräzises, dreidimensionales Bild der Atmosphäre über dem gesamten Kontinent. Ein spezieller Infrarotsensor erkennt neue, potenziell bedrohliche Wolkenformationen bereits, lange bevor sie für das menschliche Auge sichtbar werden. Dadurch verlängern sich die Vorwarnzeiten für schwere Stürme, Unwetter und Überschwemmungen von wenigen Stunden auf drei bis fünf Tage. Betroffenen Regionen und ansässigen Unternehmen bleibt somit künftig wesentlich mehr Zeit für notwendige Evakuierungs- und Sicherungsmaßnahmen zur Rettung von Menschenleben und Sachwerten. faz.de

Weltwirtschaft trotzt globalen Krisen robuster als erwartet: Der Internationale Währungsfonds hat seine Erwartungen an die weltweite Konjunktur entgegen vieler Negativtrends wie Lieferkettenproblemen und Kriegen deutlich angehoben. Für Deutschland prognostizieren die Ökonomen im laufenden Jahr, primär dank staatlicher Milliardenprogramme zur Modernisierung von Bundeswehr und Infrastruktur, einen spürbaren Zuwachs von 1,3 Prozent. Ein flexiblerer Umgang mit Energieengpässen sowie der aktuelle Investitionsboom im Bereich der künstlichen Intelligenz stützen diese global positive Wirtschaftsentwicklung. Die Experten warnen gleichzeitig jedoch eindringlich vor massiv gestiegenen Schuldenständen und stark geschrumpften staatlichen Finanzreserven in vielen Mitgliedsländern. sueddeutsche.de

Experten fordern erleichterte Eigentumsbildung für gesellschaftliche Zuversicht: Die Schaffung eigener vier Wände bietet langfristige finanzielle Sicherheit, schützt vor steigenden Mieten und dient als verlässliche Altersvorsorge. Explodierende Nebenkosten, ausufernde Bürokratie, strenge Auflagen und hohe kommunale Abgaben wie die neue Grundsteuer verhindern diesen Wunsch jedoch für immer mehr Menschen. Eine konsequente Reduzierung der staatlichen Regulierungen könnte den Erwerb von Wohnraum wieder flächendeckend bezahlbar machen und den Weg in die Unabhängigkeit ebnen. Diese wirtschaftliche Eigenständigkeit gilt als essenziell, um den Bürgern das Vertrauen in die eigene Zukunftsgestaltung zurückzugeben und der aktuellen gesellschaftlichen Krisenstimmung entgegenzuwirken. rnd.de

Wirtschaftsnobelpreis geht an Forscher für makroökonomische Stabilisierungsmodelle: Die beiden US-amerikanischen Ökonomen Robert E. Hall und Michael Woodford werden in diesem Jahr für ihre bahnbrechenden Erkenntnisse zur Dämpfung wirtschaftlicher Konjunkturschwankungen ausgezeichnet. Ihre umfassenden theoretischen Modelle helfen dabei, fiskal- und geldpolitische Maßnahmen des Staates in Krisenzeiten optimal aufeinander abzustimmen. Auf dieser wissenschaftlichen Grundlage lassen sich extreme wirtschaftliche Ausschläge nach oben und unten künftig deutlich präziser abmildern und langfristig steuern. tagesspiegel.de

ANGEZÄHLT

1600 neue Einträge auf europäischer Sanktionsliste gegen russische Kriegswirtschaft. Die Europäische Union hat beim jüngsten Außenministertreffen weitreichende zusätzliche Strafmaßnahmen gegen Moskaus Unterstützer beschlossen. Die neuen, umfassenden Embargos treffen vor allem Produzenten von ballistischen Raketen, militärische Drohnenhersteller und Werften zur U-Boot-Wartung. Dies stellt die bislang größte Erweiterung des europäischen Sanktionskatalogs seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine dar. Infolgedessen werden massiv Vermögenswerte eingefroren, Transaktionen untersagt und strikte Einreiseverbote gegen die beteiligten Personen und Organisationen verhängt. zdfheute.de

ZITAT DER WOCHE

“Alles, was sie gegen den BER sagen, sagen sie gegen Deutschland.”

Berliner Flughafenchefin Aletta von Massenbach reagiert auf die scharfe Kritik des Billigfliegers Ryanair an den hohen staatlichen Standortkosten. Die irische Airline zieht sich teilweise aus der Hauptstadt zurück, schließt ihre Basis und verknappt ihr Angebot drastisch um rund 2,5 Millionen Sitzplätze jährlich. Dadurch sackt die intern kalkulierte Passagierzahl für das Jahr 2026 am Hauptstadtflughafen auf lediglich 25,7 Millionen ab. Die Betreibergesellschaft sieht sich gezwungen, auf den Einbruch mit einem harten Sparkurs zu reagieren, bei dem sämtliche Kosten auf den Prüfstand kommen und geplante Investitionen verschoben werden. tagesspiegel.de

ZULETZT

Lokale Traditionen machen gefährdete Ökosysteme unerwartet widerstandsfähig: Weltweite Studien zeigen, dass bestimmte bedrohte Lebensräume eine erstaunliche Resilienz gegen den Klimawandel aufweisen, wenn indigene oder lokale Gemeinschaften die Verantwortung übernehmen. In Papua-Neuguinea erholen sich Korallenriffe beispielsweise vorbildlich durch regelmäßige Fangverbote, die fest in der dortigen Dorfkultur verankert sind und wie landwirtschaftliche Brachzeiten funktionieren. Ähnliche, überraschende Naturschutzerfolge zeigen sich bei tasmanischen Albatrossen oder westafrikanischen Schimpansen, wo traditionelle soziale Regeln die Jagd strikt unterbinden. Diese dokumentierten Lichtblicke beweisen eindrücklich, dass die gezielte Einbindung lokalen Wissens und geteilter Verantwortung hocheffektive Werkzeuge im modernen Umweltschutz sind. tagesspiegel.de

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