Jeden Donnerstag liefern wir mit den Wirtschaftsperspektiven einen Überblick über die wichtigsten wirtschaftlichen Themen der Woche.
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AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT
Ökonom und Klingbeil-Berater Jens Südekum warnt trotz Rekordschulden vor gefährlichem Investitionsstau: Er kritisiert im Spiegel, dass trotz des neuen Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität Milliarden an Investitionsmitteln ungenutzt bleiben. Für 2025 seien fast 30 Milliarden Euro nicht ausgegeben worden – ein strukturelles Problem, das laut Südekum den Modernisierungsschub bremst. Er fordert schnellere und unbürokratischere Bauverfahren, etwa über das geplante Infrastrukturzukunftsgesetz. Das Gesetz soll Sanierungen und Neubauten erleichtern, indem Projekte von überragendem öffentlichem Interesse bevorzugt behandelt werden. spiegel.de, n-tv.de
Koalition einigt sich auf Tariftreuegesetz: Auftragnehmer des Bundes im Bau- oder Dienstleistungsbereich müssen ab rund 50.000 Euro Auftragswert tarifgebundene oder gleichwertige Löhne nachweisen. Reine Lieferaufträge sowie verteidigungs- und sicherheitsspezifische Aufträge – einschließlich Bundeswehr-Vergaben bis 2032 – sind ausgenommen, was viele Zulieferer und Ausrüster entlastet. Einmalige Lieferleistungen – etwa von Fahrzeugen, Ausrüstungen oder Material – werden demnach von der Pflicht zur tariflichen Bezahlung ausgenommen. Verbände kritisieren zusätzliche Bürokratie und befürchten, dass sich vor allem kleinere Betriebe aus Bundesvergaben zurückziehen, während Unternehmen mit eingespielten Vergabeprozessen Wettbewerbsvorteile haben könnten. tagesspiegel.de, n-tv.de
Heizungsgesetz wird zum Gebäudemodernisierungsgesetz: Die große Koalition kippt damit die Pflicht, neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Künftig dürfen wieder neue Öl- und Gasheizungen eingebaut werden, Voraussetzung ist ab 1. Januar 2029 allerdings die sogenannte Bio-Treppe, ein stufenweise steigender Einsatz CO2-neutraler Brennstoffe wie Biomethan, synthetisches Methan, Wasserstoff oder Bioheizöl. Die staatliche Förderung für klimafreundliche Heizungen über die Bundesförderung effiziente Gebäude soll bis mindestens 2029 weiterlaufen, wobei die konkrete Förderhöhe und mögliche neue Bedingungen erst im Sommer festgelegt werden und damit Investitionsentscheidungen von Hausbesitzern, Vermietern und investierenden Unternehmen vorerst erschweren. energie-und-management.de, handelsblatt.com, tagesschau.de
Deutsche Elektroindustrie erzielt neuen Exportrekord trotz schwieriger globaler Bedingungen: 2025 wurden Waren im Wert von 257,5 Milliarden Euro ins Ausland geliefert; ein Anstieg um 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark fiel das Plus im Dezember mit 10,6 Prozent aus. Rückgänge in den USA um 3 Prozent und China um 6,2 Prozent konnten durch kräftige Zuwächse in Europa kompensiert werden, etwa in Polen, Niederlande und Frankreich. Branchenanalysten sehen in der breiteren regionalen Aufstellung einen Stabilisierungseffekt. spiegel.de, de.finance.yahoo.com
SPD-Chefin Bärbel Bas schließt Rente mit 70 in dieser Legislatur aus: Die Regierung plant vorerst keine Anhebung des Rentenalters. Bärbel Bas betonte in der ntv-Sendung “Pinar Atalay”, die Diskussion über ein modernes Rentensystem laufe jedoch weiter. Im Fokus stehe weniger ein fixes Alter, sondern die Dauer der Beitragsjahre und die finanzielle Absicherung im Alter. Für Mittelständler bleibt damit zunächst Planungssicherheit bei Lohnnebenkosten und Personalstrategien, während die Rentenkommission weiter an langfristigen Vorschlägen arbeitet. n-tv.de, tagesspiegel.de
EU-Kommission sieht US-Zollabkommen weiter stabil: Nach der Entscheidung des US-Gerichts, Donald Trumps frühere Notstands-Zölle zu kippen, sieht Brüssel keine Anzeichen für ein Aufkündigen des Zollabkommens. Laut Kommission halten die USA die Vereinbarungen bislang ein, auch wenn Details zur Umsetzung noch offen sind. Das neue US-Zollsystem sieht lediglich einen zusätzlichen Satz von zehn Prozent vor, aufgeschlagen auf den regulären Zoll. Damit liegen die meisten EU-Exporte weiterhin unter der mit Washington vereinbarten Obergrenze von 15 Prozent. orf.at, handelsblatt.com
AfD-nahe Arbeitnehmerorganisation “Zentrum” zieht mit VW-Streit vor Landesarbeitsgericht: Die selbst ernannte “alternative Gewerkschaft” will am Standort Isenbüttel von Volkswagen Group Services Vertrauensleute wählen lassen, was der Konzern wegen fehlender Tariffähigkeit untersagt. Bereits das Arbeitsgericht Braunschweig hatte die Klage im August 2024 abgewiesen, weil “Zentrum” keine Beschäftigten des Betriebes in seinen Reihen nachweisen konnte. Das Urteil gilt als richtungsweisend für den Umgang von Unternehmen mit politisch motivierten Arbeitnehmervereinigungen ohne Gewerkschaftsstatus. n-tv.de, msn.com
Weitere Meldungen:
- CDU will Verlauf der Tarifkurve verändern – Spitzensatz soll später greifen. deutschlandfunk.de
- Bei Otto in Hamburg beginnt eine neue Ära; Michael Otto gibt nach 55 Jahren alle Ämter im Handelskonzern ab, Sohn Benjamin übernimmt. abendblatt.de
- Fresenius Medical Care verdient dank Sparkurs deutlich mehr. volksfreund.de
- Streit um Unterstützung der AfD: Müller-Chef verliert vor Gericht gegen Campact. n-tv.de
- BASF versilbert Tausende Werkswohnungen; Gewerkschaft protestiert. n-tv.de
- Wirtschaft will Infrastrukturprojekte noch schneller rp-online.de
DIGITALISIERUNG
Telekom integriert KI-Assistent direkt ins Mobilfunknetz: Kunden soll so den Zugriff auf KI-Funktionen wie Echtzeitübersetzungen oder Gesprächsnotizen erleichtert werden. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona stellt der Konzern dazu den “Magenta AI Call Assistant” vor, der sich mit “Hey Magenta” in laufende Telefonate einschaltet und Fragen live beantwortet. Der Dienst soll auch auf einfachen Geräten funktionieren und erfordert kein Smartphone mit Spezialsoftware. Details zu den Technologiepartnern und zum Marktstart lässt die Telekom noch offen, betont aber, man wolle sich als deutsches Techunternehmen klar gegen die US-Konkurrenz positionieren. faz.net, n-tv.de
Mittelstand bleibt bei Abwehrstrategien und Notfallplänen oft unzureichend geschützt: Durch Cyberangriffen entsteht jährlich ein wirtschaftlichen Schaden von rund 200 Milliarden Euro. Besonders verletzlich sind mittelständische und kleinere Firmen, denen häufig grundlegende Sicherheitsstrukturen fehlen – von durchgängiger Zwei-Faktor-Authentifizierung über klare Rechteverwaltung für Mitarbeitende bis zu systematischen Updates und Back-ups der IT-Systeme. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst warnt, dass hybride Angriffe für 80 Prozent der Unternehmen in den nächsten fünf Jahren als ernstes Risiko gelten, während sich nur etwa jedes zehnte Unternehmen auf solche Szenarien gut vorbereitet sieht. Zusätzlichen Druck erzeugen seit Dezember 2025 verschärfte EU-Vorgaben mit erweiterten Meldepflichten und höheren Sanktionen, die das Thema Cybersicherheit zwar ins Management heben, aber bestehende Berührungsängste und Investitionszurückhaltung im Mittelstand bislang nicht vollständig auflösen. tagesschau.de
RAT UND TAT
Justizministerin Stefanie Hubig plant vermögensgebundene Unternehmensgesellschaft ohne Gewinnausschüttung für Start-ups und Mittelstand: Vor allem junge und mittelständische Unternehmen sollen künftig die neue Rechtsform “Gesellschaft mit gebundenem Vermögen” wählen können. Die GmgV kombiniert Elemente der Genossenschaft mit einer mitgliedschaftlichen Struktur und setzt auf das Prinzip “Ein Mitglied, eine Stimme”. Zentrales Merkmal ist eine unabänderliche Vermögensbindung; Gewinne dürfen weder offen noch verdeckt ausgeschüttet, sondern müssen im Unternehmen belassen und etwa reinvestiert werden. Erfolgsabhängige Boni für die Geschäftsführung sind ausgeschlossen, wodurch die Rechtsform Unternehmen adressiert, die langfristige Entwicklung und nachhaltiges Wirtschaften höher gewichten als kurzfristige Ausschüttungen an Eigentümer. handelsblatt.com
Landesarbeitsgericht Hamburg kippt Kündigung wegen verweigerter Gendersprache: Eine Mitarbeiterin des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie darf trotz Weigerung, eine Strahlenschutzanweisung vollständig zu gendern, nicht entlassen werden. Die Richter sahen die Kündigung als unzulässig an, weil die Weisung zum Gendern außerhalb des Zuständigkeitsbereichs lag. Grundsätzlich können Arbeitgeber laut Gericht zwar zum Gendern anweisen, im konkreten Fall fehle aber die formale Grundlage. kn-online.de
ANGEZÄHLT
Nach einem Jahr an der Spitze haben die USA ihre Position als wichtigster Handelspartner Deutschlands wieder an China verloren. Das Handelsvolumen mit der Volksrepublik stieg 2025 auf 251,8 Milliarden Euro, während die USA vor allem als Absatzmarkt dominieren. Trotz der von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle blieben die USA größter Abnehmer deutscher Waren. Der Anteil Chinas am gesamten deutschen Außenhandel verharrte nahezu unverändert bei 8,6 Prozent, meldet das Statistische Bundesamt.
ZITAT DER WOCHE
Jens Spahn hat die geplante Reform des Gebäudeenergiegesetzes gegen Kritik verteidigt. zeit.de
ZULETZT
Digitale Schummelei bei Führerscheinprüfung aufgedeckt: Eine 32-Jährige fiel auf, weil sie ihre theoretische Führerscheinprüfung heimlich per Livestream übertrug. Die Frau hatte sich mit Kamera und Verbindung zu einem 27-jährigen Helfer ausgestattet, der ihr die Antworten zuflüsterte. Ein aufmerksamer Prüfer bemerkte die Manipulation und informierte die Polizei. Die Beamten beschlagnahmten das Equipment, nun laufen Ermittlungen gegen die Beteiligten. n-tv.de