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Krach beim Familienunternehmer-Verband, Merz verteidigt Rentenpaket, Position zum Verbrenner-Aus, Wirtschaftlichen Verwertung von Spitzenforschung, Netzagentur droht Post
in der Kalenderwoche 48, 2025
kuratiert von Nina Grey

Jeden Donnerstag liefern wir mit den Wirtschaftsperspektiven einen Überblick über die wichtigsten wirtschaftlichen Themen der Woche.

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AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Rossmann und Vorwerk verlassen nach AfD-Öffnung Familienunternehmer-Verband: Beide Unternehmen kritisieren dessen neue Linie im Umgang mit der AfD, nachdem der Verband seine bisherige Strategie der strikten Abgrenzung aufgegeben hatte. Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann hatte eine Einladung von AfD-Abgeordneten zu einem Parlamentarischen Abend in Berlin im Oktober damit begründet, dass es intern unterschiedliche Ansichten zur sogenannten Brandmauer gebe. Vorwerk erklärte, die AfD stehe in wesentlichen Punkten im Widerspruch zu demokratischen Grundwerten, man halte aber einen offenen Diskurs über Wirtschaftspolitik weiterhin für nötig. Auch die Deutsche Bank zog Konsequenzen und beendete ihre Zusammenarbeit mit dem Verband für künftige Veranstaltungen.
welt.de

Kanzler Friedrich Merz verteidigt Rentenpaket und außenpolitischen Kurs: Beim Arbeitgebertag hat Merz die Kritik aus der Wirtschaft und der eigenen Partei an seinem Rentenpaket und seiner außenpolitischen Fokussierung zurückgewiesen. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hatte Merz zuvor als “Wachstumskanzler” gefordert und die Rentenpläne als ungerecht und zu teuer bezeichnet. Merz konterte, er verteidige das Land gegen äußere Bedrohungen und setze damit die richtigen Prioritäten. Der anfangs zurückhaltende Applaus im Saal wurde lauter, als Merz seine Rede mit einem leidenschaftlichen Appell für Stabilität und Verantwortung abschloss. tagesschau.de

Kanzler Friedrich Merz will deutsche Verbrenner-Position vor EU-Vorschlägen festlegen: Nach einer abschließenden Abstimmung der Koalition will Merz ein Schreiben mit der deutschen Haltung zum geplanten Verbrenner-Aus an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel richten. Damit soll die Position Berlins stehen, bevor die EU-Kommission am 10. Dezember ihre Änderungsvorschläge vorlegt. Politisch orientiert sich Merz dabei an der Linie der Ministerpräsidentenkonferenz, die ein flexibleres Vorgehen statt eines starren Verbots ab 2035 fordert. zeit.de

Monopolkommission sieht gestörten Wettbewerb im Lebensmittelhandel: Von den kräftig gestiegenen Lebensmittelpreise der vergangenen Jahre haben vor allem die großen Handelsketten profitiert, während die Erzeugerpreise für Landwirte weitgehend stagnieren. Am Beispiel Milch zeigt sie, dass sich der Auszahlungspreis an die Bauern seit 2014 kaum verändert hat, obwohl der Ladenpreis deutlich zugelegt hat. Das weist auf eine geschwächte Wettbewerbssituation entlang der Lieferkette hin. Die Kommission macht eine stark gestiegene Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel aus, in dem Edeka, REWE, Aldi und die Schwarz-Gruppe inzwischen fast den gesamten Umsatz auf sich vereinen, und verweist auf im EU-Vergleich überdurchschnittliche Preiszuwächse. Eine Entflechtung der großen Vier oder staatliche Preiskontrollen lehnt das Gremium hingegen als praxisfern und bürokratisch ab. Der Handelsverband verweist auf höhere Kosten etwa für Energie, Personal und Wareneinkauf und bestreitet strukturelle Wettbewerbsprobleme. tagesschau.de

Eigenzulassungen verzerren E-Auto-Markt: Der Absatz von Elektroautos wird stark durch Eigenzulassungen gestützt. Von Januar bis Oktober dieses Jahres entfielen laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 25 Prozent aller BEV-Neuzulassungen auf Hersteller oder Handel, vor zwei Jahren war es nur jeder sechste. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn spricht von einem klaren Warnsignal, da der Markt nicht mehr auf echter Kundennachfrage beruhe. Besonders die Hersteller erhöhten ihre Eigenzulassungen zuletzt deutlich, um Absatzstatistiken zu stützen. Die Folge sind sinkende Gebrauchtwagenpreise, während Kauf- und Leasingraten für Neuwagen unter Druck geraten. n-tv.de

Netzagentur droht Post mit Millionenstrafe wegen anhaltender Serviceprobleme: Im Sommer häuften sich Beschwerden über verlorene, beschädigte oder verspätete Sendungen, insgesamt meldete die Post im Vorjahr rund 420.000 Fälle. Behördenchef Klaus Müller kündigte an, die Einhaltung der Vorgaben eng zu überwachen. Parallel prüft die Netzagentur den Antrag der Post auf eine deutliche Portoerhöhung ab 2027, nachdem bereits Anfang des Jahres die Gebühren gestiegen waren. Müller zeigte sich zudem offen für den Einsatz von Postautomaten als Ersatz für Filialen, sofern diese den gesetzlichen Mindestanforderungen entsprechen und Kommunen zustimmen. n-tv.de

Continental verschärft Sparkurs und streicht Stellen in der Verwaltung: Der Autozulieferer kündigt weitere Personalkürzungen an, um in der Sparte ContiTech jährlich rund 150 Millionen Euro einzusparen. Betroffen ist vor allem die Verwaltung am Stammsitz Hannover, deren Aufgaben teilweise in Länder mit niedrigeren Kosten verlagert werden sollen. Wie viele Stellen wegfallen, bleibt zunächst offen. Das Unternehmen verweist auf schwache Konjunktur, Handelskonflikte und hohe Kosten, der Betriebsrat und die IGBCE sprechen von wiederkehrenden Kahlschlagmaßnahmen. Parallel treibt Continental seinen Konzernumbau voran: Der Verkauf von ContiTech, der bis Ende 2026 vollzogen werden soll, bleibt von den Kürzungen unberührt. ndr.de

Kurzmeldungen:

  • Stadt-Parfümerie Pieper meldet Insolvenz an. spiegel.de
  • Linke fordert Preiskontrolle für Schoko-Nikoläuse. web.de
  • US-Konzern plant Stellenabbau: HP ersetzt Tausende Menschen durch KI. tagesschau.de

DIGITALISIERUNG

Deutschland riskiert technologische Abhängigkeit: Der neue Haushalt bindet mit der Rente enorme Mittel, während Investitionen in KI, Quantencomputing und grüne Technologien ausgebremst werden. Parallel dazu setzen die USA mit industriepolitischen Programmen und einem zusätzlichen 500-Milliarden-Dollar-Paket für KI-Infrastruktur sowie China mit hohen Staatsmitteln für Elektromobilität, KI und grüne Technologien konsequent auf technologische Führerschaft und strategische Souveränität. In Deutschland schrumpfen dagegen die echten Digitalbudgets: Das neue Digitalministerium verfügt nur über einen klein dimensionierten, teils umgeschichteten Etat, während Förderprogramme für Zukunftstechnologien unter Kürzungsdruck stehen und auch Mittel aus dem Transformations-Sondervermögen vielfach zur Stopfung von Haushaltslöchern genutzt werden. t3n.de

Steuerbescheide ab 2026 standardmäßig nur noch digital über Elster: Wer weiterhin Papierpost möchte, muss der elektronischen Bekanntgabe aktiv im Elster-Portal widersprechen, wobei der einmal erklärte Widerspruch unbefristet gilt und für Härtefälle ohne Internetzugang eine gesondert zu beantragende Ausnahme vorgesehen ist. Neben Einkommensteuerbescheiden werden künftig auch Mess- und Feststellungsbescheide sowie weitere Verwaltungsakte elektronisch in das persönliche Elster-Postfach als PDF eingestellt und sind rechtlich einem Papierbescheid gleichgestellt. t-online.de

Deutschland verliert den Anschluss bei der wirtschaftlichen Verwertung von Spitzenforschung: Der Innovationsindikator 2025 zeigt, dass Deutschland bei der Innovationskraft auf Rang 12 stagniert, während USA, Großbritannien und Frankreich aufholen und kleinere, spezialisierte Länder wie Schweiz, Singapur und Dänemark die Spitze behaupten. Trotz exzellenter Wissensgenerierung gelingt die wirtschaftliche Umsetzung nur zu 61 Prozent, insbesondere in digitalen Schlüsseltechnologien wie Hardware, Vernetzung und Biotechnologie. Bremsklötze sind eine zögerliche Digitalisierung, hohe Bürokratie, fehlende eigene KI-Foundation-Models und ein schwach entwickelter Wagniskapitalmarkt. telepolis.de

RAT UND TAT

EU-Kommission strukturiert Nachhaltigkeitsregeln für Fonds neu: Statt der bisherigen Artikel-8- und -9-Kategorien sollen künftig drei klar definierte ESG-Produktklassen gelten, einschließlich einer neuen Transformationskategorie für Fonds, die in die Sanierung des Gebäudebestands investieren. Der Zentrale Immobilien Ausschuss sieht darin einen wichtigen Hebel für die Dekarbonisierung des Immobiliensektors. Zugleich sollen Berichtspflichten verschlankt und der aufwendige PAI-Bericht auf Unternehmensebene entfallen. Entscheidend wird laut ZIA, dass die Reform rechtliche Klarheit schafft, praktikabel bleibt und Investitionen in Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit gleichermaßen stärkt. cash-online.de

Mehr Krankschreibungen vor allem in strukturschwachen Regionen: Seit 2016 steigt die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage von BKK-Versicherten deutlich, 2024 fehlten Beschäftigte im Schnitt zwischen 18,5 Tagen in Baden-Württemberg und rund 28 Tagen im Saarland, in einzelnen Kreisen Sachsen-Anhalts im Mittel sogar 31 Tage. Besonders hohe Werte verzeichnen Sachsen-Anhalt und Thüringen, während Bayern und Baden-Württemberg zu den Ländern mit vergleichsweise niedrigen Fehlzeiten gehören. Als wesentliche Treiber gelten soziale Ungleichheit, belastende und schlecht bezahlte Arbeit sowie eine Häufung von Muskel-Skelett-Erkrankungen, psychischen Störungen und Atemwegsinfekten, von denen vor allem körperlich anstrengende Tätigkeiten in Reinigung, Verkehr/Logistik und Fertigung betroffen sind. mdr.de

Unternehmen sehen Industriestrompreis als unzureichend: Ab 2026 sollen Betriebe aus 91 energieintensiven Branchen von einem staatlich geförderten Industriestrompreis profitieren. Ein Konzept aus dem Bundeswirtschaftsministerium sieht vor, den günstigeren Tarif aber nur für die Hälfte des Stromverbrauchs zu gewähren. Zudem müssen Unternehmen mindestens die Hälfte der Entlastung in Investitionen wie Anlagenmodernisierungen stecken. Wirtschaftsvertreter kritisieren, dass damit der versprochene Preis von fünf Cent je Kilowattstunde verfehlt werde und die Auflagen die Wettbewerbsfähigkeit schwächten. Besonders aus mittelständischen Industrien kommt die Forderung, die Förderung weniger bürokratisch und stärker entlastend auszugestalten. handelsblatt.com

ANGEZÄHLT

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im November leicht auf 88,1 Punkte gefallen, nachdem er im Oktober noch bei 88,4 lag. Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage etwas besser, blicken aber pessimistischer auf die kommenden Monate. Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht in den Ergebnissen Zweifel an einer baldigen wirtschaftlichen Erholung. tagesschau.de

ZITAT DER WOCHE

“Wir haben verlernt, uns anzustrengen.”

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ruft auf dem Arbeitgebertag die schwarz-rote Koalition zu Reformen auf. Die Dramatik, die Ernsthaftigkeit und der Stress, unter denen die Wirtschaft in Deutschland stehe, werde nicht hinreichend wahrgenommen. Deutschland bleibe unter seinen Möglichkeiten. welt.de

ZULETZT

iPad zum Schleuderpreis bringt Mediamarkt in Italien in Erklärungsnot: Ein technischer Fehler hat dazu geführt, dass iPads für 15 Euro verkaufte – statt für rund 879 Euro. Einige Kunden bekamen das Gerät tatsächlich zum Spottpreis ausgehändigt. Erst elf Tage später bemerkte der Händler den Irrtum und forderte die Käufer per E-Mail auf, die Tablets zurückzugeben oder eine Nachzahlung von 714 Euro zu leisten. Ob Händler Preisirrtümer einfach nachträglich kassieren dürfen, dürfte nun die Gerichte beschäftigen – und das wohl nicht zum Freundschaftspreis. golem.de

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