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KW 17: Impfzentren für Unternehmen-Fehlende Pilotprojekte hindern Mittelständler, Mittelstand in der Pandemie-Familienunternehmer sorgen sich um Standort Deutschland, Beziehung zwischen Hausbanken und KMU leidet unter hohen Zinsen
28. April 2021

POLITIK UND MITTELSTAND

Impfzentren für Unternehmen-Fehlende Pilotprojekte hindern Mittelständler: Viele Firmen wollen über Betriebsarztzentren oder gemeinsam genutzte Impfstraßen zusammenarbeiten. Schon im Januar wandte sich der Vorsitzende des Mittelstandsausschusses von BDI und BDA, Hans-Toni Junius an die Behörden, um in Südwestfalen ein Pilotprojekt zu starten. In einem Betriebsarztzentrum sollten Mitarbeiter von über 70 Unternehmen geimpft werden, doch eine Genehmigung fehlt bis heute. Auch andere Konzepte wie die eigene Impfstraße des Autozulieferers Mubea warten weiterhin auf grünes Licht. Gerade der Zusammenschluss kann ein Modell für viele Mittelständler sein, da auch große Familienunternehmen nicht an allen Standorten eine eigene Impfstraße aufbauen können und alle von der gegenseitigen Hilfe profitieren. Junius fürchtet, dass die Mittelständler und ihre Mitarbeiter gegenüber den Beschäftigten von Großkonzernen benachteiligt werden. Während diese zum Teil bereits impfen, wurden bei Mittelständlern nicht nur in Nordrhein-Westfahlen bisher keine Pilotprojekte genehmigt.
handelsblatt.com
Mittelstand in der Pandemie-Familienunternehmer sorgen sich um Standort Deutschland: Trotz der Pandemie läuft das Geschäft gut, doch Unternehmer fürchten, dass Deutschland ökonomisch hinter andere “Industriestaaten” zurückfällt. Statt Erneuerungen und Verbesserungen zu ermöglichen, werden Mängel verwaltet, so Bernhard Clemens, Unternehmer aus Rheinland-Pfalz. Nicht nur die schleppend verlaufende Digitalisierung macht Sorgen, auch der langsame oder ganz fehlende Informationsaustausch zwischen Behörden regt Kritiker an. Der Umsatz sei zwar sogar in der Krise gewachsen, aber Strukturprobleme und mangelndes Handeln der Politik und Verwaltung lassen auch Jens Pohlman, Chef der Firma ProContur, an der Zukunftsfähigkeit des Standorts zweifeln. Für ihn hat die Pandemie bestehende Probleme nur sichtbarer und größer gemacht, er beklagt, dass er behördliche Anfragen nicht einmal per Mail beantworten kann, da die Behörden nur Faxgeräte haben. Er befürchtet, dass die Defizite in Digitalisierung, Infrastruktur und Bildung nur schwer aufgeholt werden können und Deutschland international “den Anshluss verpassen” wird. Auch eine Studie des Mannheimer Forschungsinstitut ZEW kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland als Standort für Familienunternehmer seit Jahren an Attraktivität verliert. Steigende Stromkosten, hohe Steuern und eine schlechte Infrastruktur werden als Gründe dafür genannt. Der IWF prognostiziert Deutschland, nicht zuletzt aufgrund des schleppenden Impffortschritts, ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum als anderen “Industrienationen”. Vom angekündigten “Wumms” des Bundesfinanzministers bleibe in der Wirklichkeit der Unternehmenswelt nichts, so Clemens.
tagesschau.de

Beziehung zwischen Hausbanken und KMU leidet unter hohen Zinsen: Volks-und Raiffeisnebanken, die Deutsche Bank und auch die Sparkassen stellen sich gerne als “verlässliche Partner des deutschen Mittelstandes” dar, doch tatsächlich erwägen, laut “Finanzierungsmonitor 2020” von Creditshelf, knapp 60 Porzent der Unternehmen ihre Hausbank zu wechseln. Lange Prüfprozesse, Bürokratie und hohe Zinsen werden beklagt und vor allem KMUs (Kleine-oder mittelständische Unternehmen) kommen schwerer an Kredite, so eine Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). So erschwert auch die Coronakrise den Zugang zu Krediten. Robert Ullmann, Controlling-Experte bei Software-Spezialist Wolters Kluwer Tax&Accounting, beobachtet eine Zunahme in Auskunftsausfragen seitens der Bank. So müssen Unternehmen “häufiger und detaillierter” ihre Kreditgeber informieren und Planbilanzen in kleineren Abschnitten als zuvor liefern. Doch nicht erst seit Corona ist der Wettbewerb umkämpft. Seit Jahrzehnten liefern sich Privatbanken und Landesbanken, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie ausländische Anbieter einen brettharten Wettbewerb um das Firmenkundengeschäft. Doch nun schauen neue Geldgeber auf die angespannte Situation. Laut Benjamin Schöfer, Referent Wirtschaft und Politik beim Deutschen Mittelstandsbund, werden Kreditgeber mit Hang zum Risiko immer gefragter und auch Finanzierungsinstrumente von institutionellen Investoren außerhalb des Bankensektors nehmen an Beliebtheit zu. Um nicht in einen Investitionsstau hineinzugeraten, müssen viele KMU laut Dirk Schiereck, Professor an der TU Darmstadt, “dringend ihre Eigenkapitalbasis erhöhen”.
marktundmittelstand.de
Homeoffice als Pflicht-diese Regeln gelten nun: Neben der Erweiterung der Verpflichtung von Arbeitgebern, allen Mitarbeitern, die nicht ausschließlich im Homeoffice arbeiten, jetzt grundsätzlich zwei mal pro Woche Schnelltests anzubieten, sieht die neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung nun außerdem eine Annahmepflicht für Arbeitnehmer vor, denen Homeoffice angeboten wird, soweit keine Gründe dagegen stehen. Solche Gründe könnten beispielsweise ein fehlender adäquater Arbeitsplatz zu Hause sein. Deutliche Kritik zu den neuen Regelungen kommt vom Mittelstandsverband. „Wir geben dem Prinzip der doppelten Freiwilligkeit den Vorzug. Eine Pflicht zum Angebot wie auch zur Annahme von Homeoffice lehnen wir ebenso ab, wie die Testangebotspflicht von Schnelltests in Betrieben. Aus beiden Pflichten spricht ein grundsätzliches Misstrauen der politischen Entscheidungsträger gegen die Unternehmen. Wir missbilligen dies sehr“, so Chefvolkswirt Hans-Jürgen Völz. Die Politik stelle einmal mehr unter Beweis, dass sie von den betrieblichen Realitäten meilenweit entfernt ist.
bvmw.de, businessinsider.de

Nachhaltigkeit ist Mittelsändlern wichtig, haüfig hapert es aber an der Umsetzung: Laut einer am Dienstag von der Commerzbank veröffentlichten Mittelstandsstudie, sehen gut 80 Prozent der 2000 befragten Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit als maßgeblich für den dauerhaften Erhalt der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Weit mehr als die Hälfte der Unternehmen sieht in Nachhaltigkeit auch eine Chance für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Doch nur gut ein Drittel der Firmen verfolgt auch eine konkrete Nachhaltigkeitsstrategie, bei einem weiteren Drittel ist sie immerhin in Planung. Laut Commerzbannk-Firmenkundenvorstand Michael Kotzbauer ist die größte Herausforderung für Unternehmen, dass sie Aufwand und Ertrag beim Thema Nachhaltigkeit schwer einschätzen können und die Förderprogramme zu unübersichtlich sind. Zwar gebe es Chancen, diese würden jedoch kaum genutzt werden, so Kotzbauer weiter. Positiv überrascht, dass die Mehrheit der Befragten unter Nachhaltigkeit nicht nur Klima- und Umweltschutz verstehen, sondern auch Ökologie und Ökonomie mitdenken und eine soziale Verantwortung erkennen.
wiwo.de
Kurzmeldungen
Start-Ups: Migranten gründen jedes fünfte Berliner Start-Up morgenpost.de pay
Forschung trifft auf Mittelstand:Neue Denkfabrik auf Bielefelder Campus westfalenspiegel.de
Wirtschaftsminister zufrieden mit Corona-Hilfen-Bundesverband mittelständische Wirtschaft fordert baldiges Lockdown Ende t-online.de
“Mann für den Mittelstand”-Laschet holt Friedrich Merz ins Team wiwo.de
Zahl
49 Prozent der mittelständischen Unternehmen, die bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie haben, wollen einer Studie zufolge auch während der Corona-Pandemie an den Maßnahmen festhalten. wiwo.de

RAT UND TAT

Weibliche Führungskräfte im Mittelstand: Nach einer Studie der Allbright Stiftung aus dem vergangenen Jahr sitzt nur bei 29 der 100 größten deutschen Familienunternehmen überhaupt eine Frau im Vorstand. Bei Firmen, die sich zu 100 Prozent in Familienbesitz befinden, liegt der Anteil weiblicher Vorstände sogar bei noch niedrigeren 4,8 Prozent. Während die berufliche Gleichstellung der Geschlechter in den Spitzen von Politik, Justiz, sowie in den Dax-Unternehmen zunehmend Fahrt aufnimmt, hinkt der Mittelstand hinterher. Familienbetriebe waren über Generationen Horte des Patriarchats, deshalb wundert es nicht, dass sie drohen, einen historischen Wandel zu verschlafen. Bis heute werden Töchter von ihren Vätern häufig nur dann für die Führungsnachfolge in Betracht gezogen, wenn es entweder keinen männlichen Konkurrenten gibt, er erkennbar unqualifiziert ist oder versagt hat. Es wird Zeit, dass sich etwas ändert. Die Führungsmodelle des Industriezeitalters taugen in unserer immer komplexer, schneller und digitaler werdenden Welt nicht mehr. Führung in Familienunternehmen immer noch als “Männersache” zu begreifen, bestärkt nur diejenigen, die diese Unternehmensform per se für konservativ und rückständig halten. Auch mit Blick auf die Zukunft und die gesellschaftliche Debatte ist schnell zu erkennen, dass dieses Modell nicht zukunftsfähig ist. In einem Talentmarkt, der nach Überwindung der Coronakrise wieder nachfragegetrieben sein wird, wirkt das Image vom frauenfeindlichen Familienunternehmen verheerend. Digitalisierung, Netzwerkökonomie, Urbanisierung und viele andere neue wirtschaftliche Trends werden in den komemnden Jahren die meisten der deutschen Familienunternehmen zu einer fundamentalen Transormation zwingen. Wer an seinem konservativen Weltbild und Führungsmodell festhält, wird sich schwer tun, konkurrenzfähig zu bleiben.
manager-magazin.de

Unternehmen, die Daten horten, aber nicht ordnen, riskieren Chaos: Der Weg von Datenerhebung zu verwertbaren und aussagekräftigen Datensammlungen ist komplex, die Daten müssen konsequent sortiert und sinnvoll aufgearbeitet werden, um einen tatsächlichen Wert zu haben. So kann eine gut gepflegte Datensammlung die Digitalisierung eines Unternehmens beschleunigen, die Messbarkeit der Prozesse erhöhen und die Grundlage digitaler Geschäftsmodelle bilden. Oftmals findet allerdings nur ein Minimum an digitaler Ordnung statt, bei dem lediglich die wichtigsten Daten festgehalten werden. Dabei sind Daten der Rohstoff der digitalen Wirtschaft-als Produktionsfaktor für digitale Güter und Services sind sie ein unverzichtbares Geschäftskapital. Da selbst in kleinen Unternehmen riesige Mengen an Daten gesammelt werden, lohnt es sich von vornherein Ordnung und Überblick zu behalten. Daten horten, aufräumen oder gar falsche Daten können ein Unternehmen teuer zu stehen kommen. Unternehmen müssen in Sachen Datenmanagement bewusster werden und Bewusstsein schaffen. Firmen, die ihre Daten nicht in Ordnung haben, haben einen klaren Wettbewerbsnachteil. Dabei ist auch immer darauf zu achten, entsprechend geschultes Personal zu haben, da auch die beste Software ohne entsprechend eingelerntes Personal nutzlos bleibt
mittelstand-nachrichten.de

ZITAT DER WOCHE

Wir wollen Unternehmen mit Steuererhöhungen nicht an die Substanz gehen
Mittelstandsbeauftrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bundestag Claudia Müller über geplante Steuererhöhungen und die mögliche Regierubgsbeteiligung der Grünen
dei-deutsche-wirtschaft.de

AUS DER REIHE

Milliardäre kämpfen um den Mond: Nachem die NASA dem von Elon Musk gegründeten Raumfahrtunternehmen SpaceX den Zuschlag zur Entwicklung einer neuen Landefähre für bemannte Mondmissionen gab, hat Amazon-Gründer Jeff Bezos Klage eingereicht, die Ausschreibung sei fehlerhaft gelaufen. Elon Musk konterte daraufhin mit einem Tweet “Can´t get it up (to orbit) lol” in Anspielung auf die Tatsache, dass das Unternehmen “Blue Origin” von Bezos bisher noch nicht einmal den Orbit erreicht hat.

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