Das einzige was im Leben sicher ist, ist, dass es irgendwann endet. Wann es endet, hängt jedoch auch von Einkommen, Ausbildung und Arbeitsbelastung ab – dies fand das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) heraus. Der Unterschied in der Lebenserwartung kann bei Männern bis zu sechs Jahre betragen. Automatisierung und digitale Transformation könnten diese Unterschiede zumindest abfedern. 

Seit Beginn der Industrialisierung hat sich in puncto Arbeitsbelastung und Wohlstand vieles verändert. Die gefährliche, körperlich harte Arbeit wurde durch bessere Arbeitsbedingungen und technologischen Fortschritt zunehmend angenehmer. Die Arbeitsstunden verringerten sich – noch nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Wochenarbeitszeit bei 48 Stunden, sechs Arbeitstage waren die Regel. Erst in den 1960ern setzt sich die 40-Stunden-Woche schrittweise branchenübergreifend durch. Die Gewerkschaften nutzten die gute Konjunktur, um die Arbeitszeitverkürzung bei wachsenden Gehältern durchzusetzen.  

Boom in der Nachkriegszeit


Die Reallöhne wuchsen – einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge sind seit 1960 die Nettolöhne im Wert um den Faktor 14 gestiegen. Dies bedeutet zwar nicht, dass man sich 14 Mal mehr leisten kann, denn die Lebenshaltungskosten sind um den Faktor 4,3 gestiegen und nicht alle Produkte sind günstiger geworden. Dies bedeutet auch nicht, dass relative Armut nicht real wäre: soziale Isolation, fehlende Sparmöglichkeiten, weniger nährstoffreiche Nahrungsmittel sind nur einige Teilaspekte, die Armut heute ausmachen. Dennoch ist die Tendenz klar – der Wohlstand in Deutschland ist gestiegen. 

Die Kombination aus steigenden Löhnen und verbesserten Arbeitsbedingungen führte neben dem gestiegenen medizinischen Standard dafür, dass die Lebenserwartung in Deutschland wächst. 1961 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 69 Jahren, 2016 lag sie bereits bei 80 Jahren – mit klaren Geschlechterunterschieden: während Frauen im Schnitt 83,4 Jahre alt werden, leben Männer fünf Jahre weniger. 

Innerhalb des positiven Trends gibt es allerdings weiterhin klaffende Unterschiede zwischen den Berufsklassen, dem Einkommen und der Arbeitsbelastung. Arbeiter mit geringer Bildung sterben früher als Beamte. Die Arbeitsbelastung – sowohl körperlich als auch psychisch – ist Teil des Problems. Und auch wenn der Lebensstandard in Deutschland gestiegen ist, scheint die Ungleichheit der Einkommen einen Einfluss zu haben. Reichtum und Armut sind schließlich relativ zum Durchschnitt und die Selbstwahrnehmung des eigenen Status subjektiv. 

Im Zuge der digitalen Transformation werden daher zwei Faktoren eine wesentliche Rolle spielen, um die Lebensqualität zu steigern und fairer zu gestalten: 1. die Verringerung der Arbeitsbelastung und 2. die Suche nach einem fairen Verteilungsmodell. 

Vor allem im Bereich der technischen Errungenschaften sowie der Automatisierung ist die Tendenz zu begrüßen, dass körperlich belastbare Jobs wegfallen werden. Für zukünftige Generationen könnten mehr Jobs mit angenehmeren Arbeitsbedingungen entstehen, was sich auf ihre Lebensqualität auswirken würde. Dies ist im vergangenen Jahrhundert bereits in großem Maße eingetroffen – Fabrikjobs oder Tätigkeiten in der Landwirtschaft sind um ein Vielfaches sicherer geworden als noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

Arbeit angenehmer gestalten – Arbeitsplätze sichern?


Die körperliche Belastung in Berufen kann durch Automatisierung weiter sinken. Doch auch im Bereich der psychischen Belastung kann es Unterstützung geben – digitale Assistenten im Gesundheitswesen und der Pflege können den Stresspegel senken. Durch besseres Monitoring und der Sammlung von Daten können Betreuende entlastet werden – ihre ständige Konzentration ist nicht im selben Maß gefordert. 

Die Verteilung von Reichtum und der soziale Aufstieg sind größere Herausforderung. Nicht nur, dass mittelfristig Jobs durch die Automatisierung wegfallen könnten und die Betroffenen vom sozialen Netz aufgefangen werden müssen – es ist insgesamt eine Herausforderung, die Mehrheit am Wohlstand teilhaben zu lassen, wenn durch Effizienzsteigerung die Anzahl der guten Jobs sinkt. 

Die Ängste sind nicht neu – im Laufe des 20. Jahrhunderts gab es immer wieder die Befürchtung, dass die Arbeit ausgehen würde. 1930 prognostizierte der Ökonom John Maynard Keynes, dass 100 Jahre später alle Menschen lediglich 15 Stunden pro Woche arbeiten würden – von dieser Vision sind wir weit entfernt. Zwar sanken die Arbeitsstunden, aber dies sollte kein Problem darstellen, schließlich entstanden in der Entwicklungsgeschichte dort neue Positionen, wo zuvor welche wegfielen.

Die digitale Transformation sollte folglich nicht als abstrakter Trend der Volkswirtschaft betrachtet werden, sondern als Vehikel, um die Lebensqualität zu steigern. Zur Arbeitswelt der Zukunft sollte nämlich auch das Ziel gehören, diejenigen, die besonders schwere Lasten im Beruf zu tragen haben zu entlasten. Davon würden mehr als nur Selbstständige und Angestellte in modernen Unternehmen profitieren. 

 

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