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Flexibles Arbeiten und Beschäftigungsmodelle, die mit räumlicher und zeitlicher Distanz funktionieren, werden viel diskutiert. Sie sollen gerade die Ansprüche junger Menschen nach mehr Autonomie und Kreativität auffangen, aber auch zu mehr Effizienz führen – denn der Arbeitsplatz ist überall, wo ein Laptop steht. Wie beliebt sind solche Modelle jedoch bei Arbeitnehmern? Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung aus dem Jahr 2018 kommt zum Ergebnis, dass die Sicherheit des Jobs für die meisten Arbeitgeber am wichtigsten ist. Flexibles Arbeiten steht bei den meisten Beschäftigten hingegen nicht so hoch im Kurs.

Flexibilität hilft Müttern

In der repräsentativen Befragung mit mehr als 1.000 Teilnehmern gaben 56 Prozent der Frauen und 55 Prozent der Männer an, dass ihnen ein sicherer Arbeitsplatz am wichtigsten sei. Eine interessante und unabhängige Tätigkeit, sowie der Kontakt zu Menschen sind die Prioritäten, die sich dahin einreihen. Auffällig ist, dass Frauen jedoch eine größere Neigung zur Flexibilität haben, als Männer. Während bei Männern Flexibilität als unwichtigste Priorität in der Studie skizziert wird, wünschen sich berufstätige Frauen mit Kindern mehr Freiheiten – jede Fünfte würde mehr Flexibilität im Job begrüßen.

Home-Office kann also ein Bestandteil für Familien sein, die Doppelbelastung zwischen Erziehung und Beruf zu meistern. Bei Beschäftigungsmodellen, die auf Teilzeit oder einer Verkürzung von Arbeitsstunden ausgerichtet sind, ist deutlich, dass eher Besserverdiener Flexibilität als Option betrachten. Der Anteil derjenigen, die jedoch die Arbeit reduzieren, weil sie so oder so genug Geld zur Verfügung haben, ist marginal – die klare Mehrheit wünscht sich Stabilität und einen sicheren Arbeitsplatz.

Das eigentliche Problem: Angst und Unsicherheit

Dass der Wunsch nach Flexibilität bisher nur zaghaft diskutiert wird, liegt an einem besorgniserregenden Grund: der DGB untersuchte, dass in einigen Regionen in Deutschland knapp die Hälfte der neugeschlossenen Arbeitsverträge befristet ist – besonders junge Arbeitnehmer unter 25 Jahren sowie Ausländer sind davon betroffen. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung waren 2018 insgesamt 8,3 Prozent der Arbeitsstellen in Deutschland befristet. Für viele Arbeitnehmer sind diese Befristungen Grund zur Sorge.

Zwar können sich daraus entfristete Arbeitsverhältnisse entwickeln, für die Betroffenen bedeutet die Befristung zunächst den Mangel an Planungssicherheit für Familie und den eigenen beruflichen Werdegang. Vor allem im Bildungs- und Forschungssektor sind viele befristete Stellen zu finden. Angestellte beklagen die seriellen Befristungen, zwischen welchen häufig einige Wochen bis Monate an Arbeitslosigkeit liegen. Dies wirkt sich gravierend auf die Rentenbeiträge aus. Mit einer Neujustierung von Projektstellen ist eine Entfristung häufig jedoch nicht möglich.

Abstiegsängste sind weit verbreitet

Dass die Unsicherheit sich in Abstiegsängsten widerspiegelt, die sich bis in die Mittel- und Oberschicht ziehen, hat die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung untersucht. Flexibilität ist weder ein Trost, noch eine attraktive Lösung für diejenigen, die Erfahrungen mit unsicheren Arbeitsverhältnissen gemacht haben. Flexibilität kann eine Erleichterung für bestimmte Arbeitnehmer sein. Für Arbeitgeber gilt allerdings die Freiheit mit Sicherheit zu kombinieren, wenn sie qualifiziertes Personal gewinnen und halten möchten.

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