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Heute ist es ein Gebilde mit 27 Mitgliedsstaaten, mal lose verflochten, mal in engem Schulterschluss: Die Europäische Union. Es war ein langer Weg, der vor 56 Jahren am Südzipfel eines europäischen Kernlandes begann, in Sizilien nämlich. Am 2. Juni 1955 eröffnete der damalige christdemokratische Außenminister Italiens, Gaetano Martino – Vater von Antonio Martino, der später in der ersten Regierung Berlusconi ebenfalls das römische Außenamt verwaltete – in der 2.700 Jahre alten Stadt Messina jene Konferenz der sechs Vertragsstaaten der Montanunion, die den Grundstein legte für EWG, Euratom und schließlich die EU.

Als die Vertreter der sechs Montan-Staaten Belgien, Niederlande, Luxemburg, die Bundesrepublik Deutschland, Italien und Frankreich seinerzeit in Messina zusammen kamen – Bonn wurde von Walter Hallstein vertreten –, da wollten sie die Konsequenzen aus dem vorausgegangenen Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) ziehen. Denn im Jahr zuvor, jetzt vor 57 Jahren, am 30. August 1954, hatte die französische Nationalversammlung mit 309 zu 250 Stimmen den Start zur sicherheitspolitischen europäischen Integration “auf unbestimmte Zeit” vertagt und somit den Weg blockiert. Was seinerzeit vielen Europäern – auch der damaligen Bundesregierung unter Konrad Adenauer – zunächst als ein europäisches Unglück erschienen sein mochte, wurde dann allerdings auf sizilianischem Boden zum Besseren gewendet: Über eine Integration auf wirtschaftlichem und technologischem Gebiet sollte nunmehr der Weg zur europäischen Einigung erzielt werden.

Ziel war der gemeinsame europäische Markt

Vor allem die Benelux-Länder gingen in einem gemeinsamen Memorandum für die Messina-Konferenz hoffnungsfroh sehr weit. Sie forderten “die Entwicklung gemeinschaftlicher Institutionen zur fortschreitenden Verschmelzung der Volkswirtschaften, die Schaffung eines gemeinsamen Marktes und fortschreitende Harmonisierung in der Sozialpolitik”. Zum Start in einen neuen europäischen Anfang beschloss die Konferenz, sozialpolitische “Harmonisierungen” auf den Weg zu bringen. Stichworte dazu gingen gar ins Detail: Angedacht wurden Arbeitszeit- und Überstunden-Regelungen, Fragen der Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit.

Europadenkmal bei Berus im Saarland. Das Denkmal ist den drei bekannten Europäern Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide de Gasperi gewidmet. (Foto: commons.wikimedia.org/Athulf, CC by-sa 3.0)


 

Für friedliche Nutzung der Kernenergie

Alle diese Detailfragen bündelten sich in dieser Konferenz in dem Gedanken, dass der freie europäische Binnenmarkt “der einzige Erfolg versprechende Einigungsweg” sei. So wurde eine Zollunion als greifbare und realistische Zwischenstufe angepeilt. Auch an eine schrittweise sektorale Integration durch eine Koordinierung der Wirtschafts-, Finanz- und der Sozialpolitik wurde gedacht. Zusätzliches Einigungsband unter den Sechs war zugleich das gemeinsame Interesse an der friedlichen Nutzung der Kernenergie.

Der Belgier Paul-Henry Spaak wurde zum Motor

Die Konferenz von Messina Anfang Juni 1955 stellte Weichen, die kurzfristig zu Weiterungen führten. So wurde der “Brüsseler Ausschuss” ins Leben gerufen, der unter der Leitung des damaligen belgischen Außenministers Paul-Henry Spaak mit konkreten Vorschlägen die Voraussetzungen für die eigentliche Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) schaffen sollte. Das Ergebnis war dann der “Spaak-Bericht”, der den gemeinsamen Markt in den Mittelpunkt eines Gemeinschaftsvertrages rückte, zugleich aber die Integration wichtiger Wirtschaftsfaktoren wie Landwirtschaft, Transport und Energie für die Römischen Verträge von 1957 vorbereitete. Es war ein langer Weg von Messina über Rom nach Brüssel, Maastricht, Lissabon und Luxemburg.

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