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Fachexperten, Unternehmer wie Politiker sind sich einig: die digitale Transformation wird dazu führen, dass mittel- bis langfristig Routinetätigkeiten durch Maschinen ersetzt werden. Das wird auch viele Arbeitnehmer betreffen. Lebenslanges Lernen sowie Weiterbildungen gelten daher als Rezepte gegen Arbeitslosigkeit für die Betroffenen. Was allerdings nun eine Studie des Instituts für Arbeitsmark- und Berufsforschung zeigt: gerade Arbeitnehmer in Berufen, die von der digitalen Transformation bedroht sind, bilden sich seltener weiter.

Die Daten für dieses Ergebnis stammen aus dem Nationalen Bildungspanel und zeigen, dass lediglich 27 Prozent der Arbeitnehmer in Berufen mit einem hohen Grad an Routinetätigkeiten im Beobachtungszeitraum von etwa einem Jahr an Weiterbildungen teilnahmen. Die durchschnittliche Kursdauer betrug 24 Stunden. Bei Personen mit einem geringen Grad an Routineaufgaben nahmen 41 Prozent Weiterbildungsangebote mit einer durchschnittlichen Kursdauer von 41 Stunden in Anspruch. Diese Tendenz zieht sich durch alle Qualifikationsstufen.

Alter und Migrationshintergrund spielten keine Rolle bei der Motivation sich weiterzubilden keine Rolle, allerdings sind häufiger Personen mit Migrationshintergrund in Routinejobs beschäftigt, weswegen ein verzerrtes Bild entstehen kann. Allerdings haben Unternehmensgröße- und kultur einen großen Einfluss: da viele Weiterbildungen kostenintensiv sind, bilden sich mehr Arbeitnehmer weiter, wenn die Kosten betrieblich gedeckt werden und eine Freistellung für Weiterbildungszwecke erfolgt. Zudem werden Angebote häufiger wahrgenommen, wenn sie von Vorgesetzten unterbreitet werden.

Das IAB führt ferner auf, dass Personen in Teilzeit sowie in befristeten Arbeitsverhältnissen seltener auf Weiterbildungen zurückgreifen. Dies ist schlüssig in Anbetracht der Tatsache, dass Unternehmen eine wichtige Rolle bei Weiterbildung von Arbeitnehmern haben – es wird in Kräfte mit langfristiger Beschäftigungsperspektive investiert. Ein Teil der Differenz der Weiterbildungsquoten zwischen Personen mit hohem und geringem Routinegrad sind jedoch nicht zu erklären.

Möglicherweise sind Arbeitnehmer in Routinejobs mit ihren Tätigkeiten zufrieden und sehen keinen Bedarf in weiterer Qualifikation. Möglicherweise gibt es einen „Erlahmungseffekt“ durch die Routine, die in Bezug auf neue Anstrengungen demotiviert. Ein klarer Zusammenhang ist jedoch nicht belegt.

Die Ergebnisse können langfristig explosiv sein – bei steigenden unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen, einer überdurchschnittlichen Teilzeitanstellungen von Frauen sowie einer hohen Zahl von Personen in Routinetätigkeiten, sinkt der Pool an Arbeitskräften, die sich tendenziell eher weiterbilden. In einem drastischen Szenario kann dieser Umstand zu massiver Arbeitslosigkeit oder einem gravierenden Lohngefälle zwischen Berufen führen – die soziale Ungleichheit würde wachsen.

Statista hat in diesem Jahr eine Studie illustriert, die zwischen 2015 und 2019 ein sinkendes Interesse an Weiterbildungen attestiert – in der Hochrechnung ist die Zahl der Desinteressierten um knapp drei Millionen auf 33 Millionen Menschen gestiegen, die Zahl der stark Interessierten ist um 700.000 Personen auf 15 Millionen gesunken. Die Gründe dafür sind unklar. Ob es sich um ein Wohlstandsphänomen oder Resignation handelt, bleibt offen. Mit der unaufhaltbaren digitalen Transformation, muss jedoch ein verstärkter Augenmerk auf Weiterbildungen gelegt werden.

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