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Welches Berufsfeld wird in Zukunft die Speerspitze der Wertschöpfung und Innovation sein? Das Weltwirtschaftsforum (WEF) geht davon aus, dass Künstliche Intelligenz (KI) in absehbarer Zukunft das Feld sein wird, das den Fortschritt gestaltet. Allerdings warnen die Wissenschaftler des WEF, dass dies dazu führt, dass Frauen mit größeren finanziellen Herausforderungen zu kämpfen haben – bei der Berufswahl entscheiden sie sich nämlich für traditionell weibliche Berufe. 

Das Weltwirtschaftsforum mahnt, dass knapp ein Fünftel der Kräfte im Bereich der KI Frauen sind. Der Frauenanteil im IT-Bereich ist sowohl bei den betrieblichen Ausbildungszahlen als auch bei universitären Abschlüssen rückläufig. Das Bundesinstitut für Berufsbildung kalkulierte, dass im Jahr 2017 lediglich 7,7 Prozent der Auszubildenden als Fachinformatiker Frauen waren. Dieser Ausbildungsberuf ist unter den Männern auf Platz drei, über 12.000 begannen diese Ausbildung. Bei den Frauen hingegen rutschte die Fachinformatikausbildung um eine Position nach unten auf Platz 42 im Jahr 2017 – lediglich 1000 Frauen entschieden sich für diesen Beruf. 

Frauen und Männer sind bei der Berufswahl konservativ

Das Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen bestätigte für den universitären Betrieb diesen Trend – der Anteil der eingeschriebenen Bachelorstudentinnen im Jahr 2017 ist im Durchschnitt aller Informatikfächer von 23,7 Prozent auf 21,1 Prozent gesunken. Entgegen der Versuche Frauen auch für oft besser bezahlte „typisch männliche“ Berufsbilder zu begeistern, gibt es keine sichtbaren Erfolge. 

Es ist fraglich, inwiefern der Status Quo tatsächlich problematisch ist. Das Deutsche Bank Research Institute entwickelte für die Studie „Digitaler Strukturwandel und der Sozialstaat im 21. Jahrhundert“ sowohl ein Positiv- als auch ein Negativszenario für die volkswirtschaftliche Entwicklung im Zuge der digitalen Transformation. In der pessimistischen Perspektive gehen die Autoren davon aus, dass in Zukunft lediglich eine kleine „digitale Avantgarde“ die Wertschöpfung im Land generiert und diese Personen damit zu den Top-Verdienern gehören. Im Gegensatz zur aktuellen Lage mit einer zwar schrumpfenden, aber verhältnismäßig starken Mittelschicht, würden in den Negativprognosen die Gehaltsunterschiede enorm wachsen.

Bei dieser Vision handelt es sich zwar lediglich um ein mögliches Szenario, doch in Kombination mit der bisherigen Berufswahl, dient sie als Warnung vor allem für Frauen und Familien. Es ist stets problematisch, wenn Berufsbilder an Wert verlieren, doch mit Hinblick auf Kinderversorgung und Altersarmut, besteht die Gefahr, dass noch mehr Personen auf staatliche Hilfe angewiesen sein könnten – und das bei einem überalternden Sozialstaat mit schrumpfender Mittelschicht.

Pragmatische Vorbereitung auf den Wandel der Arbeitswelt

Zweifelsohne ist der Wandel der Arbeit ein Faktor, der eine geschlechterübergreifende Herausforderung darstellt. Es werden sowohl handwerkliche Tätigkeiten in männlich dominierten Branchen automatisiert als auch Aufgaben in weiblich dominierten Berufen durch KI ersetzt. In der Ausbildung junger Fachkräfte müssten Frauen wie Männer sich darauf einstellen, dass Professionen sich verändern werden. Ehrlicherweise ist es schwer abzuschätzen, welche Berufe tatsächlich verschwinden werde und was für Tätigkeiten entstehen werden. 

Trotzdem ist eine Bestandsaufnahme notwendig, um abzuschätzen, welche Berufe in Zukunft an Wert verlieren werden. Eine aufrichtige Bewertung muss sowohl von Unternehmern, als auch von Politikern sowie Wissenschaftlern erfolgen, um zu verdeutlichen, für welche Berufe kein Bedarf in Zukunft bestehen wird. Es bringt nämlich nichts, einem Aufstiegsversprechen zu folgen, bei dem jede freie Berufswahl durch Mühe und Leidenschaft zu Erfolg umgemünzt werden kann, wenn die wirtschaftliche Realität eine andere ist. Es ist klar, dass nicht alle IT-Jobs erfolgsversprechend sind und alle Beschäftigten in einer Branche arbeiten können. Unklar bleibt jedoch, wohin die Reise für alle anderen führt, die jenseits der digitalen Informationsverarbeitung arbeiten. 

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