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Das Internet hätte das Potential haben können, die Arbeitswelt bereits in den 1990-ern zu reformieren und im selben Zug die ländlichen Gebiete zu stärken. Dieser Wunsch hat sich jedoch nicht erfüllt – es stellte sich kein dezentrales Denken in den Unternehmen ein, Arbeitnehmer zogen weiterhin in die Städte. Die Talente zogen weiterhin in die urbanen Metropolen der Welt, während viele ländliche Regionen ausbluteten. Ist die Chance für Telearbeit und jungem Unternehmertum in ländlichen Gebieten vertan?

Mit dem Einzug des PCs und des Internets in den privaten Lebensraum schien es fast unvermeidbar – talentierte Menschen werden nicht mehr Unternehmen hinterherziehen müssen. Sie werden nicht in Städten nach Wohnungen suchen. Sowohl das Wissen als auch die Instrumente zum Arbeiten an jedem Ort werden gegeben sein, sodass diejenigen, die ländliche Gebiete schätzen, auch dort leben können. Allerdings stellte sich dieser Trend nie ein. Im Gegenteil. Der Grad der Urbanisierung ist bis 2011 stetig auf 77% gewachsen, Unternehmen siedeln sich zunehmend in Städten an, Fachkräfte fliehen aus den ländlichen Gegenden.

Weshalb die Vision, dass die ländlichen Gebiete durch den digitalen Fortschritt eine Frischzellenkultur erhalten können, nie Realität wurde, liegt sowohl an der Infra- als auch an der Investitionskultur, aber auch an der Art wie wir arbeiten. Es bedarf ein stabile, flächendeckende Informationsinfrastruktur, um überhaupt langfristige Telearbeit in Erwägung zu ziehen – der Breitbandausbau ging in Deutschland allerdings nur in kleinen Schritten voran. Dass in den 1990-ern kein Hype für die Telearbeit ausbrach, ist daher nicht verwunderlich.

Ferner bedarf es nicht nur einer externen, sondern auch einer internen Infrastruktur. Unternehmen müssen die Instrumente entwickeln, damit Arbeitsprozesse glatt ablaufen können – von der Datenbank bis zur Kommunikation: alles muss verfügbar und gleichzeitig stark gesichert sein. Das kostet (zu viel) Geld und Zeit. Außerdem können Verantwortliche schlicht besser sehen, wofür sie Gehälter zahlen, wenn ihre Mitarbeiter physisch anwesend und beschäftigt sind – es geht auch um Kostenkontrolle und Vertrauen.

Auch für den Arbeitsprozess ist der Dialog zwischen Kollegen wesentlich. Es ist zwar durchaus sinnvoll für bestimmte Tätigkeiten, sich in Ruhe zurückziehen zu können und konzentriert zu arbeiten, allerdings gibt es in Unternehmen eine Reihe von Abstimmungsprozessen, die persönlich schneller und leichter geklärt werden. Auch für den Kreativprozess kann ein Ping-Pong-Spiel der Ideen förderlich sein.

Viele Talente suchen zudem nicht nur einen passenden Arbeitsplatz, sondern ein Biotop, in dem sie sich weiterentwickeln können. Es ist die Kombination aus Geschäfts- und Kulturangebot, das einerseits unterhaltsam, als auch lehrreich ist. Kontakte können leichter und tiefgreifender geknüpft werden, was häufig die berufliche Weiterentwicklung fördert. Online-Kontakte können mitnichten den persönlichen Kontakt ersetzen.

Die Frage bleibt, ob ländliche Regionen junge Digitalunternehmen und Fachkräfte locken könnten. Arbeitnehmer werden nur in nennenswerter Zahl in der Peripherie bleiben, wenn berufliche Perspektiven bleiben. Unternehmen hingegen werden nicht allein mit staatlicher Förderung in die Regionen gelockt werden. Es ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung einen positiven Zyklus aus Innovation, Unternehmertum und dem Zuzug von Fachkräften zu locken. Das Internet allein wird dabei kein entscheidender Faktor sein – die politische Gestaltung für das Geschäftsumfeld, die Wohnsituation sowie Forschung und Entwicklung müssen attraktiv sein.

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