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Sind die neuen Bundesländer blühende Landschaften? (Foto: pixabay.com/Thomas Ulrich)

​Vier Jahrzehnte lang war Deutschland geteilt, bevor sich DDR und BRD am 3. Oktober 1990 wieder vereinten. Ein freudiges Ereignis für Deutschland, das die Bundesrepublik jedoch auch vor Herausforderungen stellte. Die neuen Bundesländer hatten nach Jahren sozialistischer Plan-Misswirtschaft einen ökonomischen Nachteil gegenüber den alten Ländern, die sich am Markt orientierten. Einheitskanzler Helmut Kohl blickte optimistisch in die Zukunft, er prägte das Schlagwort der “blühenden Landschaften”. Ob diese Vision bereits Wirklichkeit geworden ist, darüber wurde Anfang November bei einem “Mittelstandskongress” der CDU/CSU diskutiert.​

“Die Unterschiede zwischen Ost und West verwischen zunehmend”, konstatiert Michael Fuchs, Vorsitzender des Parlamentskreis Mittelstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Dies zeigt zum Beispiel der Vergleich der Löhne zwischen Ost und West. 1991 verdienten Ostdeutsche nicht einmal halb so viel wie Westdeutsche, 2009 lagen die neuen Bundesländer immerhin schon bei mehr als drei Viertel des westlichen Verdienstniveaus. Die Lücke, die immer noch klafft, hat sich allerdings während der letzten Jahre nur sehr langsam verkleinert. Auch die Arbeitsproduktivität im Osten hat sich westdeutschen Standards angenähert. 1991 lag das ostdeutsche Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem noch unter der Hälfte des westdeutschen Wertes, im vergangenen Jahr bereits bei über 80 Prozent.

Industrie erholt sich

Fuchs zieht eine positive Bilanz: “Der Wohlstand in Ostdeutschland ist deutlich gestiegen. Der Strukturwandel ist weitgehend geglückt, der Staatseinfluss zurückgedrängt.” Erfreut zeigt sich Fuchs vor allem über die Erholung der Industrie in den neuen Bundesländern. Diese verzeichnete nach der Wiedervereinigung einen deutlichen Einbruch in Produktion und Beschäftigung, die volkseigenen Betriebe waren nicht wettbewerbsfähig. Mittlerweile weist die Industrie in den neuen Bundesländern jedoch wieder eine positive Entwicklung auf. Der größte Wirtschaftszweig ist aber der Dienstleistungssektor, der im Jahr 2009 in ganz Deutschland knapp drei Viertel zur Wertschöpfung beitrug.

Probleme

Vieles im Angleichungsprozess ist also geglückt, und das trotz einer Ausgangslage, in der es schwierig war, die zukünftige Entwicklung vorherzusehen und die Weichen richtig zu stellen. Doch es gibt nach wie vor Probleme: Die Arbeitslosigkeit zum Beispiel, die im Osten deutlich höher ist als im Westen. Im Jahr 2009 wiesen alle neuen Bundesländer zweistellige Arbeitslosenquoten auf, dies war in keinem der alten Länder der Fall. Dazu kommt der demografische Wandel: In ganz Deutschland wird die Bevölkerung schrumpfen und älter werden, die Geburtenzahlen nehmen stetig ab. Die Zahl der 60-Jährigen wird mit gut einer Million im Jahr 2050 doppelt so hoch sein wie die Zahl der Neugeborenen, errechnet das Statistische Bundesamt. Diese Entwicklung wird im Osten Deutschlands größere Ausmaße haben als im Westen, da immer noch viele – zumeist junge – Leute in die alten Bundesländer abwandern. Jan Eder von der Industrie- und Handelskammer Berlin zeigt sich besorgt: “In Brandenburg gibt es jetzt schon zu wenige Bewerber für Lehrstellen.”

Lösungsansätze

Wie kann man diesen Schwierigkeiten gegensteuern? Eder fordert nachdrücklich: “Bildung, Bildung, Bildung.” Die Diskutierenden sind sich außerdem einig, dass Unternehmertum und Wettbewerb weiter gefördert werden müssen – eine Aufgabe der Wirtschaftspolitik. Gerade der Abbau von Bürokratie sei dringend notwendig. “Mit unendlicher Liebe zur westdeutschen Bürokratie haben wir unternehmerische Eigenverantwortlichkeit erdrosselt”, meint der ehemalige Berliner Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner durchaus selbstkritisch.

Trennung aufgeben

Trotz der zunehmenden wirtschaftlichen Angleichung ist Ost nicht gleich West. Doch Unterschiede bestehen auch zwischen anderen Regionen Deutschlands. Daher ruft Karsten Schulze, geschäftsführender Gesellschafter eines Reiseunternehmens, zum Umdenken auf: “Ich finde, nach 20 Jahren sollten wir diese Trennung in Ost und West einmal aufgeben.” Bleibt noch die eingangs gestellte Frage: Haben sich die neuen Bundesländer in “blühende Landschaften” verwandelt? Andreas Lämmel, gebürtiger Ostdeutscher und Mitglied der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: “Manche Träume sind vielleicht nicht wahr geworden – aber es sind Dinge wahr geworden, die wir uns nicht erträumt hätten.”

 

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